«Bitte nicht mit dem Fahrer sprechen.» Das Schild hängt in jedem Postauto doch selbst Profis halten sich nicht daran. Kommunikation beim Autofahren ist die normalste Sache der Welt: Wer will schon mit einem Fahrer unterwegs sein, der kein Wort spricht und sich ausschliesslich auf den Verkehr konzentriert?

Gespräche zwischen Autofahrer und Beifahrerin sind normalerweise kein Verkehrsrisiko. «Wenn es brenzlig wird, wird die Diskussion meist automatisch eingestellt», sagt die Verkehrspsychologin Jacqueline Bächli-Biétry. Richtet sich etwa die Fahrerin plötzlich auf, weil eine Gefahr droht, schweigt der Beifahrer sofort. Anders ist es mit Handygesprächen: Weil sich die Gesprächspartner nicht sehen können, funktioniert die Körpersprache nicht.

Gefährlich wirds, wenn sich Fahrerin und Beifahrer streiten. Wie leicht es aufgrund eines Missverständnisses zu unnötigen Auseinandersetzungen kommen kann, zeigt der Psychologe Friedemann Schulz von Thun in seinem Buch «Miteinander reden» auf. Vor der Ampel sagt der Mann zur Frau: «Du, da vorne ist grün!» Die Fahrerin antwortet gereizt: «Fährst du oder ich?» Möglich, dass der Mann seine Aussage ganz anders gemeint hat. Doch bereits ist Feuer unter dem Schiebedach und das erhöht die Unfallgefahr.

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Letztes Jahr waren beinahe 80 Prozent der Lenker eines verunfallten Wagens allein unterwegs. Generell scheint das gemeinsame Fahren also die Unfallgefahr zu senken. Damit das auch so bleibt, schlägt die Schweizerische Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) eine Reihe von Verhaltenstipps für Fahrer und Beifahrerinnen vor (siehe Nebenartikel «Verhaltensregeln»).

Nirgendwo halten sich Geschlechtervorurteile mehr als beim Autofahren. «Einem Mann fällt es kaum ein, seine Frau beim Kochen zu belehren», sagt die Psychologin Bächli-Biétry. Im Auto hingegen fühlten sich viele Männer überlegen, «als wären Frauen schlechtere Fahrerinnen».

Das stimmt natürlich nicht Statistiken belegen sogar das Gegenteil. «Bei Männern führen Unfälle zu schwereren Verletzungen als bei Frauen», sagt BfU-Pressesprecher Rolf Moning. Bezogen auf die gefahrenen Kilometer, verunfallen Frauen aber genauso häufig wie die Männer. Im Gegensatz zu den Frauen, «die eher unaufmerksam als draufgängerisch fahren», so Bächli-Biétry, lassen sich Männer jedoch «mehr auf riskante und aggressive Fahrmanöver ein, um mit ihrem Fahrstil zu brillieren». Und das endet dann oft mit Blechschäden und Blessuren.

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