Wer seinen Führerausweis bei einer Polizeikontrolle nicht vorzeigen kann, bezahlt 20 Franken Busse. Auch beim Grenzübertritt kann ein fehlender Führerausweis Probleme machen. Es lohnt sich also, einen verlorenen oder gestohlenen Ausweis zügig zu ersetzen. Nur: Im Kanton Schaffhausen bezahlt man dafür 20 Franken, in Zürich 50, im Kanton Appenzell Ausserrhoden gar 70 Franken. Der Preisunterschied beträgt somit satte 250 Prozent .

Jeder Kanton legt die Preise für seine Dienstleistungen in eigenen Gebührenverordnungen fest. Die Unterschiede sind riesig, auch wenn der Weg zum neuen Papier überall gleich ist: einen Verlustschein ausfüllen – entweder bei der Polizei oder auf dem Strassenverkehrsamt – und damit an den entsprechenden Schalter des Verkehrsamts gehen.

Nötig sind zudem eine Passfoto und ein Personalausweis. Am Schalter wird das Papier ausgedruckt, die Foto aufgeklebt und abgestempelt – fertig. In fünf Minuten ist der neue Ausweis parat.

Woher kommen die riesigen Preisunterschiede? «Der hohe Preis für ein Führerausweisduplikat hat bei uns einen erzieherischen Effekt», sagt Hans-Peter Mohn, Vorsteher des Strassenverkehrsamts Appenzell Ausserrhoden. Wegen häufiger Missbräuche sei der Preis 1995 von 55 auf 70 Franken erhöht worden. Seither sei die Zahl ausgestellter Duplikate um die Hälfte zurückgegangen.

Am billigsten ist Schaffhausen
Ganz anders rechnet man in Zürich. «Mit den 50 Franken decken wir auch die Hintergrundkosten. Die Datenverarbeitung beispielsweise ist teuer», rechtfertigt Ruedi Moser die Gebühren seines Kantons. Als Leiter Zulassung Personen und Fahrzeuge des Strassenverkehrsamts bestimmt nicht er die Preise. Sie werden vom Zürcher Regierungsrat festgelegt.

Der Kanton Schaffhausen kommt trotz Vollkostenrechnung auf nochmals andere Zahlen. 20 Franken reichen hier für ein Duplikat. In den vergangenen Jahren sind die Gebühren für einige Dokumente sogar gesenkt worden. «Wir wollen damit keinen Profit machen», sagt Markus Meier, Leiter der administrativen Abteilung.

Das ist auch ganz im Sinn der Vereinigung der Strassenverkehrsämter, Asa. «Die Ämter sollten kundenorientiert arbeiten. Und die Gebühren sollten einfach nur kostendeckend sein», meint Viktor Erni, Präsident der Asa.

Obwohl die Gebühren auch in Zukunft Sache der Kantone bleiben werden, gibt es Hoffnung: Laut Erni führen die Strassenverkehrsämter zunehmend «benchmarkings» durch, also Vergleiche der Dienstleistungen und ihrer Preise. Unterschiede von 250 Prozent werden einem solchen Vergleich kaum standhalten.

Anzeige

Vorderhand müssen sich die Betroffenen weiterhin fragen, wieso sie für das gleiche Papier einmal 20 und einmal 70 Franken bezahlen müssen. Und dabei ist der Führerausweis nur ein Beispiel von vielen: Bei einem früheren Beobachter-Vergleich lagen die Differenzen für eine Passverlängerung ebenfalls bei sagenhaften 233 Prozent. Am billigsten arbeitete der Kanton Zug (30 Franken), am teuersten war Solothurn (100 Franken). Es lebe der Kantönligeist!