Beobachter: Die Camionneure wählen den kürzesten Weg durch Dörfer und Wohnquartiere. Sind Sie alarmiert?
Willy Burgunder: Nein. In keinem Dorf kommen jetzt plötzlich Lawinen von Lastwagen daher. Der Schwerverkehr nimmt generell zu, und es gibt momentan auch Abkürzungsverkehr. Wir gehen aber davon aus, dass dies ein kurzfristiges Problem ist.

Beobachter: Warum?
Burgunder: Die Transporteure werden bald merken, dass sie zwar Kilometer und damit Schwerverkehrsabgaben sparen, diese aber durch Zeitverlust und weniger Sicherheit überkompensiert werden.

Beobachter: Was heisst «weniger Sicherheit»?
Burgunder: Die Autobahn ist nicht nur die schnellste, sondern auch die mit Abstand sicherste Strasse: kein Gegenverkehr, keine schwächeren Verkehrsteilnehmer.

Beobachter: Das ist doch einer Transportfirma egal, die mit ihren Lastern knallhart nach dem Portemonnaie fährt.
Burgunder: Ich hoffe nicht.

Beobachter: Der Bund schaut also nur zu?
Burgunder: Nicht ganz. Wir schauen aufmerksam zu und sammeln über unsere Zählstellen Daten. Und nochmals: Ich bin überzeugt, dass die Chauffeure nach der Einwöhnphase auf vielen Strecken wieder die Autobahn wählen werden. Sie werden bald merken, dass der Zeitverlust im Normalfall selbst bei einer Abkürzung von 10 oder 15 Kilometern zu gross ist.

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Beobachter: Was können Sie den «ganz wenigen Ausnahmen» anbieten?
Burgunder: Die Lastwagen lassen sich kaum von einer Route vertreiben, die viel kürzer ist und zügig befahren werden kann. Rechtlich haben die Kantone aber die Möglichkeit, eine Verkehrsbeschränkung zu veranlassen. Davon wären auch Ziel- und Quellverkehr der Region betroffen – und das könnte Probleme geben mit der Versorgung. Ich denke, dass sich die Vernunft durchsetzen wird.

Beobachter: Was meinen Sie damit?
Burgunder: Wir appellieren an das Transportgewerbe, sich wirtschaftlich zu verhalten.

Beobachter: Mit genau diesem Argument wählen viele Camionneure den kürzesten Weg.
Burgunder: Ein 34-Tönner spart bei einer Abkürzung von 20 Kilometern 10 bis 13 Franken. Dafür hat er vielleicht drei Baustellen und zwei enge Dörfer passiert. Wenn sich das für einen Transporteur rechnet, dann habe ich ein paar Fragen an das Unternehmen.

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