Nein, das Strassenverkehrsgesetz verlangt, dass man seine Fahrweise den Verhältnissen anpasst. Das Verhalten im Strassenverkehr ist aber symptomatisch. Hektik prägt alle Bereiche des modernen Lebens. Der Wecker klingelt zu früh, man jagt von Termin zu Termin, über Mittag verdrückt man schnell ein Sandwich und plumpst abends müde in den Fernsehsessel. Laut einer Umfrage leiden 80 Prozent der Erwachsenen unter zu viel Hektik, 40 Prozent träumen von einem Tag mit 30 Stunden, damit sie endlich Zeit hätten.

Ein Vergleich mit 30 Ländern zeigt, dass die Schweiz das Land mit dem höchsten Lebenstempo ist. Wir stehen ständig unter Druck. Einerseits verlangt die Wettbewerbsgesellschaft mehr Effizienz, es muss in immer kürzerer Zeit immer mehr geleistet werden. Anderseits ist es Mode, gestresst zu sein. Jeder will jung und dynamisch wirken. Hat jemand Zeit, argwöhnen wir, dass er wohl nichts Gescheites zu tun hat. Und natürlich wollen wir auch in der Freizeit und in den Ferien keine Zeit vergeuden, hetzen also auch da von Aktivität zu Aktivität. Dieser Lebensstil ist ungesund. Muskelverspannungen, Schlafstörungen, Verdauungsbeschwerden, Herz- und Kreislauferkrankungen, emotionales Burnout sind nur einige der möglichen Schäden. Zudem ist jeder Zeitdruck ein Genusskiller, wie Glücksforscher betonen. Allmählich setzen sich diese Erkenntnisse durch, und es ist eine Gegenbewegung entstanden. Langsamer lebe es sich gesünder, genussvoller und besser, sagen die Anhänger der so genannten «Slow Trends». Dazu einige gute Tipps:

  • Machen Sie nicht gleichzeitig Verschiedenes, sondern konzentrieren Sie sich auf jeweils eine Tätigkeit.
  • Lassen Sie sich nicht hetzen, Sie müssen den Erwartungen der anderen nicht immer genügen.
  • Haben Sie den Mut, unwichtig zu sein. Sich dauernd profilieren zu müssen bedeutet Stress.
  • Werden Sie ein «Slobby». Das ist eine Abkürzung für «slower but better working people».
  • Gehorchen Sie Ihrer inneren Uhr. Zwischen 13 und 16 Uhr beispielsweise haben die meisten ein Energietief.
  • Setzen Sie Prioritäten. Was würden Sie tun, wenn Sie nur noch ein Jahr oder einen Monat zu leben hätten?
  • Halten Sie in Glücksmomenten inne. Versuchen Sie mit jeder Faser Ihres Körpers zu spüren, wie sich dies anfühlt.
  • Achten Sie immer wieder auf Ihren Atem, das gibt Luft und ermöglicht ein Entspannen.

Buchtipps
Brigitte Röthlein: «Anleitung zur Langsamkeit. Ruhiger und glücklicher leben»; Piper, 2005, 224 Seiten, CHF 14.60

Jean-Carl Honoré: «Slow Life»; Riemann, 2004, 352 Seiten, CHF 33.60