«Raser bekennt: Ich war ein Autorowdy.» So überschrieb der «Blick» vor einigen Monaten einen Artikel über Toni Müller. Müller lacht: «Die Rowdy-Zeiten sind vorbei. So etwas würde ich nie wieder machen.» Erstens sei er klüger geworden. Und zweitens ist der Automechaniker heute Mitinhaber einer Garage in Kreuzlingen und führt, wie er sagt, ein geregeltes Leben: «Nach der Arbeit ins Bett, einmal pro Woche in den Ausgang.»

Früher war das noch anders. Toni Müllers Sündenregister ist beeindruckend. Mit 21 Jahren fuhr er betrunken und mit 160 Kilometern pro Stunde durch ein Dorf und landete auf dem Dach. Mit einer Rippenquetschung stieg er aus dem Wagen.

Mit 25 Jahren wieder eine Serie von Selbstunfällen und Verkehrsdelikten unter Drogeneinfluss. «Ich müsste nachschauen, was da alles war», sagt Müller, «ich weiss es nicht mehr genau, es hat mich auch nicht interessiert. Zeitweise stand ich wegen sechs verschiedenen Delikten vor Gericht. Fahren ohne Führerausweis, Alkohol, zu hohe Geschwindigkeit.» Mit 28 Jahren zerlegte er den Pontiac seiner Frau: «Der ist mir in der Kurve ausgebrochen. Eine grausame Maschine.»

Ohne Ausweis am Steuer
Vor Gericht hat Toni Müller nie etwas abgestritten. Er ging, ohne mit der Wimper zu zucken, ins Gefängnis. «Dort war es locker.» Insgesamt verbrachte er gut ein halbes Jahr hinter Gittern, präziser: in Halbgefangenschaft. Nebenher arbeitete er weiterhin als Automechaniker.

Den Führerausweis musste er verschiedene Male abgeben, am Schluss für fünf Jahre. «Das schmerzte», sagt Müller. «Viel mehr, als in die Kiste zu gehen. Immer mit dem Postauto herumfahren, das hat mir gestunken.» Zwischendurch setzte er sich verbotenerweise ans Steuer: «Vor Kontrollen hatte ich keine Angst. Da gab ich einfach die Personalien des Bruders an.»

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Wenn er von Autos spricht, beginnen seine Augen zu glänzen. «Ohne Autofahren könnte ich nicht leben. Und wenn du einen schönen Wagen hast, einen Sportwagen, was willst du da langsam fahren. Gas geben, wenn dir einer hinten aufhockt, das ist doch ein Feeling!» Im Frühling 1998 bekam Toni Müller den Führerausweis zurück, nachdem er die theoretische und die praktische Fahrprüfung nochmals hatte ablegen müssen.

«Ich hatte Glück»
Drei Autos besitzt Toni Müller heute, darunter einen BMW 535i und einen feuerroten Chevrolet Camaro. Den hat ihm ein Kunde geschenkt, für gute Arbeit. Beide Wagen haben starke Motoren und Höchstgeschwindigkeiten von über 200 Kilometern pro Stunde. Aber Müller weiss, dass er das Gaspedal behandeln muss wie ein rohes Ei. Andernfalls könnte der schlimmste aller Fälle eintreten: Führerausweisentzug auf unbestimmte Zeit.

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Hat er sich jemals überlegt, dass er sich und andere Menschen hätte umbringen können? «Klar, das überlegt sich ja jeder», meint Müller, «und ich weiss, ich hatte unwahrscheinliches Glück. Wenn ich jemanden überfahren hätte, hätte es mir früher abgelöscht.» So blieben es für ihn Bagatellen. Ausserdem: «Bei uns auf dem Land ist es nicht wie in der Stadt, da sind die Strassen nachts leer.» Und anders als in der Stadt sei auch der Umgang mit Alkohol: «Wenn einer von den Kollegen eine Runde spendiert, kann man das nicht einfach ablehnen.»

Aber wie gesagt, Toni Müller führt heute ein geregeltes Leben: «Man soll die Vergangenheit ruhen lassen. Und hoffen, dass sie einen nicht einholt.»