Beobachter: Herr Bundesrat, Sie schlagen den Swissmetro-Initianten vor, eine Linie zwischen den Flughäfen Zürich und Basel zu planen. Warum ausgerechnet diese Strecke?
Moritz Leuenberger: Ein Projekt wie die Swissmetro muss für alle Beteiligten und für die Umwelt von grösstmöglichem Nutzen sein. Eine Verbindung zweier Flughäfen mit der Swissmetro würde unserer Gesamtverkehrspolitik Auftrieb geben. Die Flughäfen könnten sich auch finanziell engagieren. Meine Anregung habe ich spontan und vor diesem Hintergrund gemacht. Ich kann mir aber auch noch andere Strecken vorstellen.

Beobachter: Die Fahrt würde nur zwölf Minuten dauern – aus zwei Flughäfen würde einer. Wollen Sie das?
Leuenberger: Falls der Luftverkehr, wie vorausgesagt, stets weiter wächst, braucht es im Interesse der Anwohnenden, der Passagiere sowie der Flughafen- und Fluggesellschaften kreative Vorschläge. Wir müssen uns überlegen, wie wir die vorhandenen Strukturen optimal nutzen und gleichzeitig die schädlichen Auswirkungen des Verkehrs verringern können. Die Swissmetro könnte dazu einen Beitrag leisten.

Beobachter: Heisst das, dass mit dieser Swissmetro-Linie die Engpässe im Schweizer Luftraum behoben werden könnten?
Leuenberger: Wohl kaum. Denkbar ist hingegen, dass Anflüge, Abflüge und Uberflüge anders verteilt werden. Zu spekulieren, was dies konkret bedeuten würde, ist verfrüht. Für ein abschliessendes Urteil müssen erst die Grundlagen erarbeitet werden.

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Beobachter: Mit dem Vorschlag fördern Sie indirekt den Flugverkehr. Kein Widerspruch für Sie als Umweltminister?
Leuenberger: Wäre dem so, würde ich
nein sagen. Ich wüsste nicht, weshalb eine bessere Verteilung des Verkehrs die Fliegerei fördern sollte. Eine unkoordinierte Zunahme des Luftverkehrs auf mehreren Flughäfen ist jedenfalls nicht im Interesse der Umwelt.

Beobachter: Dennoch: Die Swissmetro und ein optimierter Flugbetrieb konkurrenzieren die Bahn.
Leuenberger: Die Swissmetro ist kein Ersatz für die Eisenbahn, sondern eine Ergänzung. Eine Swissmetro zwischen den Flughäfen Zürich und Basel konkurrenziert nicht die Bahn, sondern nimmt Verkehr von der Strasse weg. Zudem könnten Linienflüge zwischen den beiden Flughäfen gestrichen werden. Am meisten Sinn, auch in wirtschaftlicher Hinsicht, macht die Swissmetro jedoch als europäisches System. Sie könnte im Verkehr zwischen grossen Zentren das Flugzeug ablösen.

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Beobachter: Das klingt optimistisch. Ihre Beamten im Bundesamt für Verkehr (BAV) beurteilen die Swissmetro als nicht ausgereift und zu teuer. Warum sind Sie anderer Meinung?
Leuenberger: Meine Meinung ist nicht anders – bloss meine Schlussfolgerung. Das BAV hat auf offene Fragen hingewiesen. Dazu gehört auch die optimale Verknüpfung mit dem bestehenden Verkehrssystem. Die Swissmetro muss in verschiedenster Hinsicht noch reifen. Der Bundesrat wollte die Weiterentwicklung dieses bahnbrechenden Projekts aber nicht jetzt schon abbrechen.

Beobachter: Die Flughafenverbindung würde rund vier Milliarden Franken kosten. Wieviel könnte der Bund beitragen?
Leuenberger: Die Finanzierung der Pilotstrecke bleibt ein Schwachpunkt. Eine Bundesfinanzierung, wie sie den Initianten vorschwebt, ist nicht möglich. Damit die Swissmetro diesen Teil des Konzessionsgesuchs noch vervollständigen kann, brauchen die Initianten mehr Zeit.

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Beobachter: Die Gefahren in Tunnels sind bekannt. Wie sicher ist es, mit 450 Kilometern pro Stunde durch den Boden zu bolzen?
Leuenberger: Als im letzten Jahrhundert die Eisenbahn aufkam, wurde sie häufig als eine Raum und Zeit vernichtende Kraft oder als eine krankmachende Errungenschaft beschrieben. Obschon sie nicht viel schneller fuhr als eine Pferdekutsche. Geschwindigkeit ist immer mit Risiko verbunden; es muss auf ein tragbares Mass minimiert werden. Diese Sicherheitsphilosophie gilt für alle Verkehrsmittel – egal, ob sie nun durch die Luft, durch Tunnels oder offene Landschaften rasen.

Mit Tempo 450 in die Zukunft

Der Swissair gefällt die Idee einer U-Bahn zwischen den beiden Flughäfen, und die Swissmetro-Initianten ziehen eine bahnkompatible Variante in Betracht.

75 Minuten mit der Bahn, 40 mit dem Auto – mit der Swissmetro würde die Fahrt 12 Minuten dauern: Eine U-Bahn-Linie zwischen den Flughäfen Zürich und Basel könnte die Flugplanung revolutionieren. «Swissmetro ist eine grossartige Vision», sagt Davor Frank, Flughafenbeauftragter der Swissair.

  • Für Passagiere im Transit rechnet die Swissair heute mit 35 Minuten Umsteigezeit. Ein Swissmetro-Transfer vom «Terminal Zürich» zum «Terminal Basel» würde rund 40 Minuten dauern.

  • Die Engpässe im Luftraum können so zwar nicht behoben werden, sagt Frank: «Mit einer Angleichung der Luftverkehrszentren in Europa ist kurzfristig mehr zu erreichen.» Dennoch will die Swissair das Projekt «politisch nach Kräften unterstützen». Finanziell möchte sie sich hingegen nicht engagieren. «Der Bau von Bahnlinien passt nicht in unsere Strategie.»

  • Geplant ist Swissmetro eigentlich als U-Bahn zwischen den grossen Schweizer Städten: Mit Tempo 450 fahren die Passagiere in 12 Minuten durch eine teilvakuumisierte Röhre von Bern nach Luzern oder von Zürich nach St. Gallen. Doch die politische Unterstützung war bisher gering; das Projekt konkurrenziert Neat und Bahn 2000. Im Mai diskutierte der Bundesrat das Gesuch für eine Pilotstrecke Genf–Lausanne. Den Initianten wurde eine Nachfrist gewährt, um die ungenügende Finanzierung zu regeln. Gleichzeitig schlug Verkehrsminister Moritz Leuenberger die Flughafenlinie als Alternative vor.

  • Um das Projekt voranzutreiben, wird nun auch die Fahrtechnik überdacht. Bislang war die Swissmetro als Magnet-Schwebebahn mit unterirdischen Haltestellen gedacht. «Es ist möglich, dass wir mit einer "Light"-Version auf Rädern weiterplanen», sagt Swissmetro-Präsident Sergio Salvioni.

  • So wäre das Projekt «bahnkompatibel»: Die Metro könnte in jedem Bahnhof ein- und ausfahren, nur die langen Strecken würden im luftarmen Tunnel zurückgelegt. Das Signal aus dem Bundeshaus und die Idee einer Verknüpfung mit der Bahn hat den privaten Swissmetro-Promotoren neuen Mut gegeben. «Wenn alles optimal läuft», sagt Salvioni, «dann können wir im Jahr 2010 operativ sein.»
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