Das Geld liegt im Baselbiet auf der Strasse: auf der Autobahn A2, Gemeinde Tenniken, nahe dem Rastplatz Mühlematt, Fahrtrichtung Luzern. Dort steht eine Geschwindigkeitsüberwachungsanlage. Damit verdient der Kanton Baselland regelmässig Millionen von Franken – und im letzten Jahr waren es sogar ein paar Millionen mehr. Dafür gesorgt hat eine Bauernfamilie.

Kurz nach der Jahrtausendwende liess die Polizeidirektion die Radaranlage montieren. Unbeeindruckt von Kritikern, die ihm «modernes Raubrittertum» vorwarfen, setzte sich der damalige Polizeidirektor im Namen der Verkehrssicherheit durch.

Doch mit dem berechtigten Widerstand der Bauernfamilie Ritter hatte niemand gerechnet. Denn die neue Anlage blitzte nicht nur die Schnellfahrer, sondern tauchte auch die Zimmer des angrenzenden Hofguts Eimatt in grelles Licht. «Meine zehnjährige Tochter konnte deshalb eine Zeitlang nicht mehr schlafen», erklärte Ruedi Ritter im Januar 2001 gegenüber der «Basler Zeitung». Ritters erhoben Einsprache. Ingenieure und Planer versuchten vergeblich, das Problem zu beheben: Gegen das horizontal einfallende Licht half kein Blendschutz. Bei weniger grellem Blitzlicht wurden die Nummernschilder auf den Beweisfotos unlesbar, selbst ein veränderter Neigungswinkel half nicht. Endlich zeigte sich die Polizei einsichtig und versetzte das Gerät um ein paar hundert Meter. Genau dies sollte sich Jahre später auszahlen.

Fast 50'000 Fahrzeuge pro Tag

Anfang Februar 2008 nämlich richtete das Bundesamt für Strassen, das im Namen des Bundes die Autobahnen inzwischen übernommen hatte, just am neuen Standort des Radars eine Baustelle ein: Eine Felswand, vor 40 Jahren beim Autobahnbau weggesprengt, musste mit Steinschlagnetzen und Ankern neu gesichert werden. Dafür wurde die Fahrspur eingeengt, und die signalisierte Höchstgeschwindigkeit sank von 120 auf 80 Kilometer pro Stunde. Damit verwandelte sich die Anlage in einen veritablen Goldesel. Die Drucksensoren im Strassenbelag registrierten unbestechlich die Geschwindigkeit jedes Fahrzeugs, im Durchschnitt 48'600 pro Tag. Und die Temporeduktion um 40 Kilometer pro Stunde sorgte für eine Traumrendite: «Durch die herabgesetzte Höchstgeschwindigkeit stieg die Anzahl der Übertretungen markant und führt zu einem Bussenmehrertrag von zirka 5,5 Millionen Franken», beantwortete der Baselbieter Regierungsrat unlängst eine Anfrage von SVP-Landrat Karl Willimann.

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Jetzt zeigt sich der Staat doch sicher erkenntlich gegenüber der Bauernfamilie, müsste man meinen. Es wäre einfach, sich zu revanchieren, denn seit Jahren wünscht sich Familie Ritter nichts sehnlicher als einen Lärmschutz. Doch weit gefehlt: Der Kanton schweigt höflich.

Quelle: Bundesamt für Strassen ASTRA