Ruth Metzler will Bodenfreiheit. Wegen möglicher Schneeverwehungen im Appenzellerland fährt die Jung-Bundesrätin einen Geländewagen. Damit liegt sie voll im Trend: Die verkaufte Stückzahl von Geländewagen stieg innert vier Jahren von 9900 auf 12'450.

Muss es so bullig sein, fragte der Verkehrsclub der Schweiz (VCS) Anfang Jahr die national noch unbekannte Regierungsrätin Metzler. Antwort: «Ich fühle mich sicherer, weil ich eine bessere Ubersicht habe.» Weiter meinte sie: «Anständig fahren ist letztlich wichtiger als der Besitz eines weniger gefährdenden Autos.»

Leider irrt Ruth Metzler. «Die hohen Frontpartien solcher Fahrzeuge prallen denkbar ungünstig auf den Körper eines Fussgängers», sagt Rechtsanwalt Ueli Vogel von der Vereinigung für Familien der Strassenopfer (VFS). Das gilt auch bei langsamen Fahrten.

Rechtsmediziner bestätigen diese Aussage. Bei einer Kollision mit einem normalen Auto werden die Fussgänger von der Kühlerhaube aufgeladen und an der schrägen Windschutzscheibe gebremst.

Die Stossstangen der Geländewagen dagegen wirken wie Rammbalken und stossen ihre Opfer um. Eine US-Studie weist den Jeeps ein um 23 Prozent höheres Todesrisiko zu.

In einem Musterprozess will die VFS jetzt den Range-Rover-Importeur für den Tod eines fünfjährigen Knaben haftbar machen. Das Verfahren ist seit letztem Sommer bei einem Zürcher Gericht hängig.
Dass es auch anders geht, hat die Autoindustrie bewiesen.

So lancierte etwa Honda eine Sicherheitskarosserie für Personenwagen. Die Kennzeichen: elastische Stossstange und Motorhaube, deformierbare Scharniere und versenkbare Halterungen der Scheibenwischer.

Auch der modernste Fahrzeugbau nützt aber nichts, wenn das Auto zu schnell unterwegs ist. Jeder vierte Fussgänger, der mit Tempo 40 angefahren wird, stirbt an seinen Verletzungen. Gemäss Unfallforscher Felix Walz nimmt die Todesgefahr mit höheren Geschwindigkeiten nochmals massiv zu. Bei Tempo 45 beträgt sie 58 Prozent, bei Tempo 50 weit über 80 Prozent. Bei einem Kollisionstempo von 60 Kilometern pro Stunde ist die Uberlebenschance eines Fussgängers praktisch null.