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Strassenverkehr«Alkohol auf der Autobahn ist unsinnig»

Das Parlament will Raststätten das Ausschenken von Alkohol wieder erlauben. Kritiker befürchten mehr Unfälle.

Darf an Autobahnraststätten bald wieder Alkohol getrunken werden?
von aktualisiert am 15. September 2017

Kein Alkohol an Autobahnraststätten und Tankstellen – diese Devise gilt in der Schweiz seit 1964. Damals wurde das Verbot aus Sicherheitsgründen eingeführt: Autofahrer sollten bei Zwischenstopps gar nicht erst in Versuchung kommen, sich einen guten Tropfen zu genehmigen. Das Verbot schien auch die Autofahrer nicht zu stören. Laut der neuesten Befragung der Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) sind 82 Prozent der Bevölkerung mit der Regelung einverstanden.

Noch vor vier Jahren lehnte der Nationalrat eine Ausschank-Motion der SVP-Nationalrätin Nadja Pieren ab. Überraschend entschied sich nun neben dem Nationalrat auch der Ständerat für eine Aufhebung des Verbotes. Der Bundesrat arbeitet nun eine Gesetzesvorlage aus.

Wettbewerbsfreiheit wichtiger als Sicherheit?

Dafür hat Beobachter-Experte Daniel Leiser kein Verständnis: «Alkohol auf der Autobahn ist unsinnig – Gelegenheit macht Diebe». Eine Aufhebung des Verbots stünde im krassen Gegensatz zum Verkehrssicherkeitspaket «Via sicura», mit dem die Zahl der Verkehrsopfer um einen Viertel reduziert werden soll. Auch die Senkung der Promillegrenze auf 0,5 im Jahr 2005 sollte für mehr Sicherheit im Verkehr sorgen.

Die Beratungsstelle für Unfallverhütung schlägt Alarm: «Studien belegen, dass eine grössere Dichte von Ausschankstellen mit einem erhöhten Alkoholkonsum und damit verbundenen Problemen wie Unfällen einhergehen», heisst es auf der Website. Des Weiteren erhöhe Alkohol die Gefahr von Müdigkeit am Steuer und Geisterfahrten.

Hauptgrund für die Neuerung ist die Wettbewerbsfreiheit: In den Restaurants an Autobahnauffahrten werde ebenfalls Alkohol angeboten. Das Verbot sei eine Scheinlösung, denn wer trinken und fahren wolle, komme auch so an Alkohol. Verkehrsministerin Doris Leuthard betont, dass die meisten Verkehrsunfälle innerorts passieren und dass sich der allgemeine Umgang mit Alkohol geändert habe. Das Verbot sei nicht mehr zeitgemäss. 

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Bei Alkohol am Steuer gibt es so gut wie keine Entschuldigung, weshalb strikte Grenzwerte gelten. Mitglieder von Guider erfahren mithilfe eines Merkblatts, wie hoch sich die Bussen je nach Promillegehalt belaufen, wann der Fahrausweis weg ist und weshalb schon eine tiefe Alkoholkonzentration als Fahren im angetrunkenen Zustand (FiaZ) angesehen werden kann.