Damit hatte der Chef der Abteilung Verkehr und Umwelt der Berner Kantonspolizei nicht gerechnet. «Wir dachten, nach einer anfänglichen Spitze würden die Übertretungen langsam zurückgehen. Jetzt stellen wir aber fest: Die Quote bleibt auf hohem Niveau konstant.» Hansueli Bäbler spricht von der Anzahl der Lenkerinnen und Lenker, die in den Radarfallen hängen bleiben, die dieses Jahr in Betrieb genommen wurden. Seit April überwachen auf der A5 entlang dem Bielersee bei Tüscherz und Wingreis zwei neue Anlagen die Einhaltung der Höchstgeschwindigkeit - eine dritte ist im Bau. Im Oberaargau, in Wynau und Aarwangen, erfassen fünf neu installierte Radargeräte auch Rotlichtübertretungen. Rund 20’000 Mal wurden diese sieben Radarfallen seit ihrer Installation ausgelöst.

Zu viel für die personellen Kapazitäten der Berner Kantonspolizei: «Die Anzahl der anfallenden Ordnungsbussen hat sich im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt. Es gibt zwei Möglichkeiten: die Bussenabteilung wird personell aufgestockt, oder wir müssen die Anlagen für eine gewisse Zeit pro Tag ausschalten», sagt Bäbler.

Rundum gibts neue Anlagen
Überall in der Schweiz geben die Kantone Gas. Im Dienst der Verkehrssicherheit - so lautet unisono die Begründung - werden stationäre Radaranlagen montiert. Gemäss der Radar-Infozentrale wurden allein in den letzten zwei Jahren rund 80 Anlagen in Betrieb genommen, 150 weitere sind geplant. Die Aufrüstung geschieht mit dem Segen des Bundesamts für Strassen (Astra). «Nicht angepasste Geschwindigkeit ist eine der Hauptursachen für Verkehrsunfälle. Mit zunehmendem Tempo steigert sich die Unfallschwere exponentiell. Die Polizei hat den Auftrag, die von Volk und Ständen festgelegten Tempolimiten durchzusetzen», sagt der Astra-Mediensprecher Thomas Rohrbach.

Dass neu installierte Radarstationen Sperrfeuer blitzen, stellen auch andere Kantone fest, darunter Nidwalden. Im Durchschnitt rund 100 Geschwindigkeitsüberschreitungen misst die neue Anlage in der Südröhre des Kirchenwaldtunnels auf der A2 bei Hergiswil - pro Stunde. Das neue Messgerät ist darum nur etwa drei Stunden im Tag scharf. Grund: Personalmangel. Mehr als die Hälfte der Geblitzten sind ausländische Fahrer. Sie verursachen besonders viel administrativen Aufwand.

Zwei zusätzliche Vollzeitstellen hatte der Regierungsrat verlangt. Der Landrat, das Nidwaldner Parlament, bewilligte aber nur eine. «Wir werden angesichts dieser Situation erneut eine zweite Stelle beantragen», sagt der Nidwaldner Landschreiber Josef Baumgartner. Eine weise Entscheidung. Vor allem auch angesichts des Umstands, dass Ende 2008 die Nordröhre des Tunnels in Betrieb genommen wird - sie ist ebenfalls mit einer Messanlage ausgerüstet.

Vier stationäre Radarapparate installierte der Kanton Schwyz im Juli vor einem Jahr und musste dann prompt zusätzliches Personal für die Bussenabrechnung einstellen. Acht fixe Anlagen stehen im Kanton Luzern, arbeiten tun sie aber nur Teilzeit. Auch hier fehlt es an personellen Ressourcen. Für die Verkehrssicherheit muss der Teilzeitbetrieb im Übrigen kein Nachteil sein: «Ein 24-Stunden-Betrieb ist nicht nötig. Unregelmässige Betriebszeiten erfüllen den gleichen Zweck. Wichtig ist der Überraschungseffekt», sagt der Lausanner Verkehrspsychologe Herbert Studach.

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Die Selbstblitzanlage in der Waadt
Dessen ungeachtet laufen in der Waadt die Messanlagen ohne Unterbruch. Rund vier Millionen Franken spülten die neu installierten Radare auf der Umfahrungsautobahn bei Lausanne im vergangenen Jahr in die Staatskasse. Die personellen Ressourcen der Bussenzentrale werden trotzdem nicht überstrapaziert: Die hochmoderne Anlage ist komplett automatisiert: Das System misst auf der einen Seite die Geschwindigkeitsübertretung und spuckt auf der anderen Seite das adressierte Kuvert mit der berechneten Busse aus. Die entsprechende Software wurde von der ETH Lausanne entwickelt.

Trotz Dauerbetrieb bleiben Überraschungseffekte auch in der Waadt nicht aus. So wurde jüngst ein Schnellfahrer auf der A1 zwischen La Sarraz und Cossonay mit Tempo 217 geblitzt. Beim Fahrer handelte es sich um den Chef der Radarüberwachung.

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