Wer mit dem Auto durch die Gegend schleicht, muss mit einem Alkohol- und Drogentest rechnen. Ein Unfall oder eine offensichtliche Übertretung von Verkehrsregeln ist keine Voraussetzung. Die Polizei überprüft, ob der Lenker überhaupt in einem fahrtüchtigen Zustand unterwegs ist.

Wer nun glaubt, für eine Trödelfahrt werde er nicht bestraft, nur weil er nichts Verbotenes im Blut hat, kann sich täuschen. Der Beobachter berichtete im Dezember über die Marktfahrerin Verena Huber*, die mit 15 Kilometern pro Stunde auf der Land­stras­se im Raum Freiburg unterwegs gewesen war (siehe «Zu langsam für die Polizei» im Beobachter 26/2014).

Was bedeutet «Übermüdung»?

«Ich hatte einen Bekannten heimgefahren und war mir nicht sicher, ob ich auf der richtigen Strasse zurück auf die Autobahn war», erklärte sie. Sie habe auf keinen Fall eine Abzweigung verpassen wollen. Der Alkoholschnelltest misslang, weil die Frau zu wenig stark ins Gerät pustete. Die Polizei brachte sie für einen Bluttest ins Spital. Der Fahrausweis wurde ihr bis zum Abschluss der Analysen abgenommen, was über einen Monat dauerte. «Als Marktfahrerin konnte ich praktisch nicht mehr arbeiten», beschwerte sich die 61-Jährige.

Alle Tests waren negativ, sie erhielt den Ausweis zurück. Die böse Überraschung folgte kurz darauf: 800 Franken Busse und 500 Franken Gebühren wegen angeblicher Übermüdung am Steuer. Dagegen wehrte sich die Frau. Erfolgreich, wie sich jetzt zeigt: Die Freiburger Kommission für Adminis­trativmassnahmen im Strassenverkehr hat das Verfahren eingestellt.

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Auch rote Augen sind kein Indiz

Es gebe keine objektiven Anhaltspunkte, dass sie tatsächlich in übermüdetem Zustand gefahren sei. Die Feststellungen der Polizisten seien subjektiv und beim ärztlichen Befund sei nichts Negatives festgestellt worden, wird die Einstellung begründet.

Die Polizisten hatten bei der Frau einen «schwankenden Gang» und eine «verwaschene Sprache» festgestellt. Die ärztlichen Untersuchungen bestätigten beides nicht. Eine einfache Erklärung gab es auch für ihre geröteten und feuchten Augen: Die Frau leidet an chronisch trockenen Augen, die sie mit befeuchtenden Tropfen behandelt.

Übermüdung am Steuer gilt als eine der häufigsten Unfallursachen im Verkehr. Verständlich, dass die Polizei sich einen einfachen Test wünscht. Ende Mai geisterte die Forderung nach einem sogenannten Pupillomaten durch die Medien. Die Spezialbrille misst Augenreflexe und wird in Österreich seit einigen Jahren eingesetzt. Reflexe sind aber individuell unterschiedlich, und für Müdigkeit existieren keine Grenzwerte, wie Verkehrsmediziner aus der Schweiz wiederholt kritisiert haben. Ein tauglicher Schnelltest dürfte also Zukunftsmusik bleiben.

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*Name geändert