Bedrängt vom Schnellfahrer, quetschte sich ein anderer Automobilist vor Vetter in die Lücke und bremste. Sie setzte zum Überholen an, blinkte und drehte den Kopf zum Kontrollblick nach hinten, bevor sie die Spur wechselte. «Ich sah das zivile Polizeiauto zwar, realisierte aber nicht, dass es so schnell fuhr», sagt sie. Tatsächlich folgten die Polizisten dem Raser mit bis zu 108 Kilometern pro Stunde auf dem Tempo-80-Abschnitt

Obwohl die Polizisten damit rechnen mussten, dass Margrit Vetter auf die Überholspur wechseln würde, gaben sie sogar noch Gas und bremsten erst dann stark ab, als sie nicht mehr an ihr vorbeikamen. Da waren sich die beiden Fahrzeuge schon gefährlich nahe gekommen. Während die Ordnungshüter keine Strafe fürchten mussten, wurde Margrit Vetter angezeigt, weil sie den Sicherheitsabstand zum Polizeifahrzeug unterschritten hatte.

«Ich finde es völlig ungerecht, dass ich gebüsst werde, wenn die Polizei 28 Kilometer pro Stunde zu schnell gefahren ist», sagt Vetter. Sie zog ihre Beschwerde bis vor Obergericht. Doch das Gericht befand, auf der Autobahn werde immer wieder mit massiv übersetzter Geschwindigkeit gefahren. Vetter sei zu wenig aufmerksam gewesen: Sie hätte merken müssen, wie schnell die Polizei fuhr. Das Gericht verurteilte sie zu einer Busse von 1'000 Franken wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln. Weit besser weg kam der Raser: Er entwischte.

Die Bilder aus dem Polizeifahrzeug

09-07-Auto1.jpg Durch den roten Wagen bedrängt, quetscht sich die graue Limosine in die rechte Lücke.

Tempo der Polizei: 99 km/h.
09-07-Auto2.jpg Der weisse Wagen auf der rechten Seite blinkt und will überholen. Das zivile Polizeiauto beschleunigt.
09-07-Auto3.jpgDas weisse Auto wechselt auf die linke Spur. Das rote Auto rast ungehindert weiter.
09-07-Auto4.jpg Erst jetzt bremst die zivile Polizei. Der Raser entkommt. Gebüsst wird die Fahrerin des weissen Wagens.