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StrassenverkehrWas tun, wenns kracht?

Einen Moment lang unaufmerksam - und schon ist der Unfall passiert. Wie sollen sich Autolenker nach einem Zusammenstoss verhalten? Und wer muss am Ende zahlen?

Simone Jaisli (Name geändert) war im Stress. In einer Stunde sollte sie die Generalversammlung ihrer Tanzgruppe leiten - und zuvor mit dem Revisor die Jahresrechnung besprechen. Noch wenige Meter bis zur Beiz. Die 36-Jährige schaute sich in der Dämmerung nach einem freien Parkplatz um, «da krachts plötzlich grauenhaft». Jaisli prallte gegen ein Auto, dessen Lenker dabei war, rückwärts aus einem Parkplatz zu fahren. Zum Glück gabs nur Blechschaden. Doch genau der respektive die Frage, wer dafür aufzukommen habe, sorgte Minuten später beim Ausfüllen des Unfallprotokolls für rote Köpfe.

Wer nach einem Crash zweier Autos welchen Anteil am Schaden zahlen muss, bestimmt sich danach, wer wie viel Schuld hat. So will es das Strassenverkehrsgesetz. Die Krux: Wer seinen Unfallgegner zur Kasse bitten will, muss dessen Schuld beweisen. Deshalb ist es sehr wichtig, die Unfallsituation zu fotografieren und den Hergang in einem Protokoll festzuhalten.

Häufig ein monatelanges Nachspiel

Das Unfallprotokoll ist aber keine Schuldanerkennung. Wer wie viel bezahlen muss, wird später durch die Versicherungen beurteilt. Kann keiner der Beteiligten dem andern die Schuld nachweisen, bleibt jeder auf dem eigenen Schaden sitzen. Tragen dagegen beide Beteiligten eine Mitschuld, legen die Versicherungen die Schadensquoten gestützt auf die Gerichtspraxis nach dem jeweiligen Fehlverhalten fest. Ist ein Lenker mit der Regelung nicht einverstanden, muss er den Rechtsweg einschlagen.

Von einem Totalschaden geht die Versicherung aus, wenn die Reparaturkosten den Zeitwert des Wagens abzüglich seines Restwerts übersteigen. Das ist für Lenker von älteren Autos ärgerlich, denn sie erhalten nur den Zeitwert vergütet und nicht etwa den Wiederbeschaffungswert.

Häufig verzögern unklare Beweislagen oder unterschiedliche Aussagen über den Unfallhergang eine rasche Schadenserledigung. So auch bei Simone Jaisli. Seit mehr als zwei Monaten steht ihr Wagen in der Garage. Obwohl der Unfallgegner nicht vortrittsberechtigt war, will er nicht zahlen. Zum Glück hat Simone Jaisli eine Verkehrsrechtsschutzversicherung. Die hat sie jetzt eingeschaltet.


  • Die Autos nicht bewegen! Fotografieren Sie die Unfallsituation und die beschädigten Fahrzeuge von allen Seiten. Nicht die Qualität des Bildes zählt. Auch eine Handyaufnahme tuts.
  • Füllen Sie immer ein Unfallprotokoll aus. Unterschrift auf der Rückseite nicht vergessen.
  • Achten Sie im Protokoll auf klare, verständliche Formulierungen und Skizzen.
  • Anerkennen Sie niemals auf einem Unfallprotokoll eine alleinige Schuld.
  • Halten Sie Namen und Adressen von Zeugen im Protokoll fest.
  • Sie können darauf bestehen, die Polizei zu rufen, wenn Sie unsicher sind oder wenn der Unfallgegner Schwierigkeiten macht.
  • Gibt es Verletzte, muss zwingend die Polizei benachrichtigt werden.
  • Melden Sie den Schaden unverzüglich Ihrer Versicherung und lassen Sie Reparaturen erst ausführen, wenn der Schadeninspektor Ihren Wagen inspiziert hat.
  • Vor der Reparatur sollten Sie unbedingt einen schriftlichen Kostenvoranschlag verlangen.


Eine Checkliste, was bei einem Unfall zu tun ist, finden Sie hier (PDF, 131 kb)

Veröffentlicht am 27. Mai 2008