Beobachter: Herr Ewert, mit welchem Gefühl betreten Sie einen Fussgängerstreifen?
Uwe Ewert: Selbstbewusst, weil ich mein Vortrittsrecht kenne. Ich achte aber darauf, dass mich der Autofahrer bemerkt und er nicht überrascht wird.

Beobachter: Nur rund die Hälfte der Autofahrer lässt Fussgänger freiwillig über den Streifen. Warum ist dieser Wert nicht höher?
Ewert: Jeder Stopp ist für Autofahrer unbequem. Ich habe aber auch das Gefühl, dass am Zebrastreifen Machtspiele stattfinden.

Beobachter: Was meinen Sie damit?
Ewert: Sehr viele Autofahrerinnen und Autofahrer versuchen einfach durchzufahren. Sie halten erst an, wenn jemand sein Vortrittsrecht unmissverständlich einfordert.

Beobachter: Könnte es auch sein, dass der Fussgängervortritt allgemein noch zuwenig bekannt ist?
Ewert: Man kann davon ausgehen, dass das Wissen vorhanden ist. Aber das Wollen ist bei vielen noch zuwenig ausgeprägt.

Beobachter: Wie lässt sich die Situation verbessern?
Ewert: Ich vermute, wir brauchen einfach noch etwas Zeit. Immerhin stellen wir fest, dass nicht zuletzt dank den Aktionen der bfu die Anhaltebereitschaft der Automobilisten steigt – wenn auch langsam.

Beobachter: Müssen die Fussgänger offensiver auftreten und ihr Recht durchdrücken?
Ewert: Das kann gefährlich werden. Jede Situation muss für Autofahrer und Fussgänger eindeutig sein, sonst passiert schnell etwas. Machtdemonstrationen von Fussgängern machen wenig Sinn, denn sie sind auf jeden Fall in der schwächeren Position und können bei einem Unfall schwere Verletzungen erleiden.

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Beobachter: Die bfu möchte die Anhaltebereitschaft der Autofahrer von 50 auf 85 Prozent steigern. Ist das realistisch?
Ewert: Langfristig ist es realistisch. Aber es braucht dazu viel Arbeit an den Fussgängerstreifen. Es genügt nicht, ein bisschen Gelb auf die Strasse zu pinseln. Die Streifen müssen ein grösseres optisches Gewicht erhalten – dank Mittelinseln, einer besseren Beleuchtung sowie einer von weitem sichtbaren Signalisation.