Nicht Raser und Betrunkene, sondern Unachtsame haben in den letzten Jahren für den grössten Zuwachs bei den Unfällen gesorgt. Im Raum Basel etwa ist fast jeder fünfte Crash auf «momentane Unaufmerksamkeit» zurückzuführen. In ­Zürich rangiert sie sogar an zweiter Stelle der Unfallstatistik.

Experten sind sich einig: Die Ursache dafür sind die elektronischen Geräte, die unseren Alltag erobert haben. «Handy, MP3-Player und Navigationsgeräte sind heute auch im Auto immer dabei», sagt Ueli Zoelly, Chef der Verkehrspolizei des Kantons Zürich, «und viel zu oft sind sie der Grund für eine fatale Ablenkung vom Verkehrsgeschehen.»

Im Gleichtakt mit der Unaufmerksamkeit als Unfallursache stieg in der Schweiz auch die Zahl der Lenker und Lenkerinnen, die wegen Telefonierens am Steuer ohne Freisprecheinrichtung gebüsst wurden. 7,5 Prozent mehr als 2007 waren es im vergangenen Jahr, exakt 8506 Autofahrende – einer davon war mit Tempo 170 unterwegs.

Das Hantieren mit elektronischen Geräten während der Fahrt ist hierzulande tatsächlich gang und gäbe, wie eine Umfrage des Bundesamts für Statistik zeigt. Über die Hälfte der Befragten benutzt das Handy zumindest gelegentlich auch im Auto, jeder Fünfte liest, und jeder Zehnte schreibt beim Fahren SMS. «Die Leute sind sich der Gefahr beim Hantieren mit elektronischen Geräten während der Fahrt schlicht nicht bewusst», bedauert Kantonspolizist Zoelly. Er kann ob dieser grossen Sorglosigkeit nur den Kopf schütteln.

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«Oft unterschätzte Gefahren»

Einer britischen Untersuchung zufolge fährt man telefonierend so unsicher wie mit 0,8 Promille Alkohol im Blut. Und gemäss einer Fahrsimulator-Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz verlängert sich die Reaktionszeit während des Telefonieres um mehrere Zehntelsekunden. Ob man dabei mit Freisprechanlage legal oder mit dem Handy am Ohr verbotenerweise unterwegs ist, spielt keine grosse Rolle.

Navigationsgeräte und MP3-Player haben denselben Effekt. So warnte jüngst der deutsche Automobilclub ADAC vor «überfrachteten Navigationsgeräten, welche die Lenker und Lenkerinnen schnell ablenken können». Dies führe zu «grossen, oft unterschätzten Gefahren im Strassenverkehr».

Ein generelles Verbot von Handy, Navigationsgerät und MP3-Player im Auto steht aber in der Schweiz nicht zur Diskussion. «Dafür fehlt die Akzeptanz», sagt Rolf ­Moning von der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU). Dem Problem müsse mit mehr Schulung und mehr Kontrolle ent­gegengetreten werden. «Die Leute müssen lernen, wie mit den neuen Geräten im Auto umzugehen ist», findet auch Polizeichef Zoelly. «Bedient werden dürfen sie nur im sicher und abseits des Verkehrs angehaltenen Fahrzeug» (siehe nachfolgender Katen «Regeln für Autofahrer»).

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Wer Handy, Navigationsgerät oder MP3-Player während der Fahrt benutzt und einen Unfall baut, hat mit verschärften Konsequenzen zu rechnen. Kann die Bedienung dieser Geräte als Ursache für den Crash nachgewiesen werden, droht eine Strafanzeige mit hohen Bussen oder sogar Gefängnis, wenn Menschen zu Tode gekommen sind.

Regeln für Autofahrer

Handy

  • Freisprecheinrichtung mit Laut­sprecher verwenden, keine Headsets
  • Während der Fahrt möglichst wenig und kurz telefonieren
  • Bei Anruf kurz einen Rückruf vereinbaren. Noch besser: Mailbox aktivieren
  • Fürs Abhören der Mailbox und das Führen längerer Gespräche anhalten
  • SMS und alle anderen Funktionen von Handys sind für Lenker tabu


Navigationsgerät

  • Route vor der Fahrt programmieren
  • Nur im stehenden Auto Route ändern oder weitere Funktionen bedienen
  • Keine GPS-Handys mit kleinen Monitoren und Funktionstasten einsetzen
  • Die Geräte dürfen den Blick auf die Strasse nicht verbauen


MP3-Player

  • Player ans Audiosystem des Autos anschliessen, keine Kopfhörer
  • Playlist vor der Fahrt programmieren
  • Aussengeräusche müssen hörbar sein


Alle Geräte müssen stabil befestigt sein. Sonst können sie bei Unfällen zu tödlichen Geschossen werden.