Was 16 Jahre lang gutgegangen ist, muss heute nicht mehr unbedingt gut sein. Diese Erfahrung musste Töfffahrer Andreas Lanz machen, der 1991 als Occasion eine von der Motorfahrzeugkontrolle frisch geprüfte Honda CBR 1000F gekauft hatte. Was er nicht wusste: Bremsleitungen, Gabelbrücke und Lenker waren vorher durch Spezialkomponenten ersetzt worden. Das störte die Motorfahrzeugkontrolle indes weder vorher noch nachher, sie sah nie einen Grund zur Beanstandung. «Nach einigen wenigen Minuten war die Kontrolle jeweils erledigt», sagt Lanz.

Doch dieses Jahr erkannte ein gestrenger Prüfer die artfremden Teile. Er hielt Lanz Artikel 34 der «Verordnung über die technischen Anforderungen an Strassenfahrzeuge» unter die Nase, wonach Änderungen an Fahrzeugen «vor der Weiterverwendung nachzuprüfen» sind. Lanz wurde aufgefordert, Eignungserklärungen des Herstellers der nicht geprüften Teile herbeizuschaffen.

Nach stundenlangen Recherchen fand Lanz heraus, dass es den Importeur dieser Teile nicht mehr gibt. Deshalb musste er Lenker und Bremsleitungen ausbauen, für die Gabelbrücke stellte ihm sein Mechaniker das Papier aus. So umgerüstet, bestand er im zweiten Anlauf die Prüfung. Umbau und Prüfung kamen ihn auf rund 1200 Franken zu stehen: «Ich frage mich, ob die Herren Prüfungsexperten schon mal über das Prinzip der Verhältnismässigkeit nachgedacht haben.» «Der Halter muss Änderungen melden», sagt Hansruedi Habegger vom Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons Bern, «wir haben nur den rechtmässigen Zustand wiederhergestellt.»

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