Kaum reduziert ein Beitrag im «Magazin» («Tages-Anzeiger») die Männlichkeit auf das «Macho-Hormon» Testosteron, wird es bei mir verlangt. Als kritischer Hausarzt springe ich sofort auf mein Surfbrett und stürze mich in die Web-Wogen – zuerst zum Leuchtturm Google und dort zum «Sexikon». Unter «T.» lese ich: «T. nützt nichts für die Erektion». Genau, mir dämmerts aus T.-reicheren Studienzeiten: T. habe bei 99 Prozent der Männer keinen Einfluss auf den Sex.

Weiter zum medizinischen Top-Leuchtturm: Medline, die grösste Medizinbibliothek der Welt, mit über neun Millionen Beiträgen aus 3900 Fachzeitschriften. Ich gebe «testosterone AND libido» ein und finde mich bestätigt: Die Unterfunktion der Hoden ist sehr selten. Dennoch wird gefordert, man solle in Routineuntersuchungen danach fahnden. Weshalb nur? Will die Pharmaindustrie den Verkauf von T.-Pflastern ankurbeln? Der letzte Satz lässt aufhorchen:

«Dr. Winters is a consultant to SmithKline Beecham Pharma» (siehe hier). Dann zeigen viele Arbeiten den fatalen Zusammenhang von T.-Therapie mit gehäuftem Prostatakrebs. Zudem kann T. die Lust auch vermindern. Was bleibt da noch vom «Macho-Hormon»? Die Doping-Müskelchen?

Über Thomas Walser:

Dr. Walser ist Arzt der Allgemeinmedizin in Zürich. Er selbst sieht sich als «sanften Schulmediziner» und Geburtshelfer oder Ankitzler von Selbstheilungsenergien (v.a. mittels klassischer Homöopathie, Psychotherapie und Rolfing). Mehr über ihn erfahren sie auf seiner vielbesuchten Website www.dr-walser.ch.

Anzeige