Plötzlich tut sich etwas in den leeren Kassen der SAirGroup: Die Beraterfirma KPMG hat 35,5 Millionen Franken zurückgezahlt – Honorargelder, die kurz vor der Swissair-Pleite noch in Rechnung gestellt und von der SAirGroup auch bezahlt wurden. Damit vermeiden die KPMG-Gesellschaften ein Urteil im Prozess, den der Liquidator der SAirGroup, Karl Wüthrich, eingeleitet hatte.

Wenns in der Kasse klingelt, klingen auch die Gläser: Wüthrich begoss das «sehr gute Resultat» mit seinen Mitarbeitern. Doch damit ist der Durst des rund 15-köpfigen Liquidatorenteams nicht gestillt: Nach dem Muster der KPMG will Wüthrich nun weitere Beraterfirmen zur Kasse bitten. Er wirft ihnen vor, dass sie aufgrund ihrer Beratungstätigkeit Einblick in den riesigen Finanzschlamassel hatten. Die Honorarzahlungen so kurz vor der Pleite gingen deshalb zulasten der anderen Gläubiger. Wüthrichs KPMG-Deal soll Signalwirkung auf fünf weitere Beratungsfirmen haben – unter anderen auch auf McKinsey und PricewaterhouseCoopers.

Auch die Grossen zur Kasse
Mit dicker Post müssen aber auch die Banken rechnen: Wüthrich zeigt nämlich wenig Respekt vor grossen Namen und hat Anfechtungsklagen über rund 130 Millionen Franken gegen die Deutsche Bank vorbereitet. Und ein gutes Dutzend weiterer Geldinstitute wie beispielsweise Credit Suisse, UBS und Zürcher Kantonalbank hat Wüthrich ebenfalls im Visier.

Dafür erntet der Liquidator viel Lob vom «Mann auf der Strasse», aber auch von Wirtschaftsgrössen, die mehr Ethik in den Chefetagen der Schweizer Wirtschaft fordern. Auf «wenig Verständnis» stösst er dagegen nach seinen eigenen Worten bei Verwaltungsräten, Konzernchef und Finanzchef der SAirGroup: Wüthrich will diese für einen Schaden von 280 Millionen verantwortlich machen.

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