Niemand bezahlt gerne Steuern. Erst recht nicht, wenn der Fiskus massiv mehr verlangt, als ihm zusteht – wie im Fall des Zürcher Geschäftsmanns Markus Brogli (Name geändert). 135000 Franken direkte Bundessteuer soll Brogli nachzahlen, «weil im kantonalen Steueramt die Rechte nicht weiss, was die Linke tut. Das ist doch Raubrittertum», empört sich der 64-jährige Geschäftsmann.

Brogli hat schwierige Jahre hinter sich. Nach zwei ungerechtfertigten Anklagen bekam er zwar vor Gerichten in der Schweiz und in den USA Recht, geriet aber finanziell in eine dramatische Situation. Er verschuldete sich, um seine Familie durchzubringen. Broglis lebten vom Vermögensverzehr und mussten die Zwangsversteigerung mehrerer Liegenschaften hinnehmen.

In dieser Situation bat er Mitte der neunziger Jahre das Steueramt, einen Revisor vorbeizuschicken, um bei der Deklaration keine Fehler zu machen. Dies wurde ihm verweigert; stattdessen flatterte eine amtliche Einschätzung für 1995 und 1996 von total 748246 Franken ins Haus.

Steuerbehörden im Unrecht


Der Steuerkommissär hatte etwa die Verschiebung von Beteiligungspapieren innerhalb der Brogli-Firmen als Einkommen in Millionenhöhe taxiert. Dagegen rekurrierte Brogli und bekam nach jahrelangem Hickhack Anfang 2001 Recht: Die Steuerkommission 1 des Kantons Zürich korrigierte das Einkommen der beiden Jahre auf noch 61200 Franken: Statt total fast 750000 Franken waren nur noch knapp 3000 Franken zu bezahlen.

Damit war der Ärger mit dem Fiskus aber nicht ausgestanden. Denn parallel dazu errechneten die Eintreiber von der direkten Bundessteuer ein Jahreseinkommen von 890000 Franken, das sie später auf 530000 Franken nach unten korrigierten. Vollauf damit beschäftigt, sich gegen die Gemeinde- und Kantonssteuern zu wehren, glaubte Brogli, dass die Rechnung der direkten Bundessteuer «von der gleichen Adresse» stammte und sich das Problem «parallel erledigen» werde. Er ergriff kein Rechtsmittel, verpasste die Einsprachefrist und wurde – formal korrekt – zur Zahlung der 135000 Franken verdonnert.

Die Verantwortlichen «bedauern»


Die rechtskräftige Veranlagungsverfügung kommt einem vollstreckbaren Gerichtsurteil gleich. Ob die Einschätzung richtig ist, hat keine Bedeutung mehr. Es gibt zwar zwischen Bundes- und Staatssteuern Bemessungsunterschiede – aber um Welten wie bei Brogli liegen sie nicht auseinander.

Was ihm die Steuerbeamten empfehlen, um der Pfändung zu entgehen, bringt Brogli nicht weiter: Nur wenn alle Gläubiger ebenfalls auf ihr Geld verzichten, will der Fiskus einen Steuererlass prüfen. «Ich kann doch nicht zu meinen Bekannten gehen, die mir in einer schweren Zeit geholfen haben, und ‹April, April› rufen», empört sich Brogli. Er wolle allen berechtigten Verpflichtungen nachkommen. Aber er weigere sich, Steuern zu zahlen, «wenn die Einschätzung objektiv falsch ist».

Die Korrespondenz Broglis mit dem Steueramt Zürich füllt mittlerweile einen dicken Ordner. Willi Nauer, der Chef der Abteilung direkte Bundessteuer, bedauert gegenüber dem Beobachter, wie dieser Fall gelaufen sei. Er habe aber keinen Spielraum für eine einvernehmliche Lösung.

Brogli hat ein Revisionsgesuch gestellt. Seine letzte Hoffnung ist Artikel 147 des Gesetzes über die direkte Bundessteuer: Korrigiert wird eine Rechnung, «wenn erhebliche Tatsachen oder entscheidende Beweismittel entdeckt werden».

Dieses Bild kann nicht angezeigt werden.