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Der PionierPause für Vogelfallen

Pause für Vogelfallen
Felix Liechtis Erfindung hilft, Vogelleben zu retten. Bild: Andreas Eggenberger

Felix Liechti hat ein Vogelradar entwickelt. Es schützt Zugvögel, indem es Windturbinen kurzfristig ausser Betrieb setzt.

von Julia Hofer

Windenergie hat Zukunft. Im Jahr 2035 könnte die erneuerbare Ener­giequelle in der Schweiz bis zu zehn Prozent zur ­landesweiten Stromver­sorgung beitragen, rechnet die Wind­energielobby vor. Rund 800 Anlagen sollen dann in Betrieb sein. Was ökologisch eine gute Sache ist, macht vielen Vogelfreunden Sorgen. Denn jedes Jahr ziehen rund 200 Millionen Zugvögel durch die Schweiz. Auf den Anhöhen, wo die Windkraftwerke stehen, fliegen sie ausgerechnet auf der Höhe der Windräder – die Rotoren erschlagen unzählige Vögel.

Felix Liechti von der Schweizerischen Vogelwarte Sempach will Windparks deshalb aber nicht gleich verbieten lassen. Er hatte eine bessere Idee: Mit seinem Team und dem technischen Know-how der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften hat er ein Radar entwickelt, das ­Vögel erkennen und die Dichte eines Vogelschwarms messen kann. «Sind zu viele Vögel in der Luft, schalten sich die Rotoren für kurze Zeit ­automatisch aus.»

Ab 2015 wird «Birdscan» im Windpark Grenchenberg erstmals eingesetzt. Laut den künftigen Betreibern sind die 300'000 Franken eine lohnende Investition. Sie werden den Windpark jährlich insgesamt ein bis drei Wochen lang ausschalten müssen. Ihn während des Vogelzugs vollständig abzuschalten, wäre ungleich teurer.

Liechti ist sich bewusst, dass er nicht jedem Vogel das Leben retten kann. Es wird immer Opfer geben. Doch er hält dagegen: «Wir gehen davon aus, dass 75 Prozent der europäischen Brutvögel vom Klimawandel bedroht sind. Wenn wir auf umweltfreundliche Windenergie setzen, kommt dies auch der Vogelwelt zugute.»

Veröffentlicht am 2014 M04 07