Darf ich denn auch künftig noch einen Chüngel metzgen?» Antoine Goetschel kann den Fragesteller beruhigen: «Auch nach einer Annahme der Initiative dürfen Kaninchen geschlachtet werden. Denn die Initiative bezweckt keine Änderung des Tierschutzgesetzes, sondern des Privatrechts.»

Antoine Goetschel ist Geschäftsführer der Stiftung für das Tier im Recht (TIR), die zusammen mit der Gesellschaft Schweizer Tierärzte (GST), dem Schweizer Tierschutz (STS) und der Schweizerischen Kynologischen Gesellschaft die Volksinitiative «Für eine bessere Rechtsstellung der Tiere» lanciert hat.

Der TIR-Geschäftsführer ist zurzeit schwer beschäftigt. Denn die Bürgerinnen und Bürger wollen genau wissen, was es mit der Initiative auf sich hat. Goetschels Erfahrung: «Wer sich näher informiert hat, sagt Ja zu mehr Rechten für Tiere.»

Die Kernaussage der Initiative ist einfach, die Forderung ist bewusst knapp formuliert: Tiere sollen rechtlich nicht länger einem Besen oder einer Kühltruhe gleichgestellt sein, sondern als empfindungsfähige Lebewesen behandelt werden.

Und das wollen auch unsere Leserinnen und Leser. Vor einem Monat hat der Beobachter zur Unterschriftensammlung aufgerufen (Nr. 6). In den ersten vier Wochen sind bereits 14000 Unterschriften auf unserer Redaktion eingetroffen. Nach wie vor braucht es aber Ihre Mithilfe, damit das Ziel der Aktion erreicht wird nämlich mit möglichst vielen Unterschriften ein deutliches politisches Signal nach Bern zu senden.

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«Ich erhalte sehr viele positive Reaktionen», sagt Antoine Goetschel. Immer wieder erreichen ihn aber auch kritische Fragen vor allem aus bäuerlichen Kreisen. «Was ändert sich denn bei den Nutztieren?», wollen viele Landwirte wissen. Goetschel kann die Ängste zerstreuen: «Rechtlich ändert sich für die Bauern nichts. Möglich ist aber, dass die neue Auffassung vom Tier als einem empfindsamen Lebewesen die Sensibilität der Konsumenten für tiergerechte Haltung erhöht.»

Mehr Rechte für die Tiere

Haben Sie die Initiative schon unterschrieben? Falls nicht hier nochmals das Wichtigste in Kürze:

Verunfallte Tiere: Auch wenn die Heilungskosten für ein verletztes Tier dessen Wert übersteigen, sollen sie als Schaden geltend gemacht werden können. Bei der Festlegung des Schadenersatzes wird auch der gefühlsmässige Wert berücksichtigt, den das Tier für den Eigentümer hat.


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Scheidungstiere: Das Tier soll demjenigen Partner zugesprochen werden, bei dem es besser aufgehoben ist.


Verwaiste Tiere: Tiere werden auch künftig nicht als Erben eingesetzt. Wenn aber der Eigentümer im Testament dem Tier eine Zuwendung zuspricht, muss der Erbe den Betrag für die Pflege des Tiers einsetzen.


Findeltiere: Anstatt nach fünf Jahren wie bis anhin soll es neu bereits zwei Monate nach der Ubernahme eines Findeltiers möglich sein, dessen Eigentümer zu werden. Zudem sollen die Kantone Meldestellen für entlaufene Heimtiere einrichten.


Gepfändete Tiere: In Zukunft soll es nicht mehr möglich sein, bei Streitigkeiten ein Haustier als Pfand einzusetzen.