Nach den Hormon- und Antibiotikaskandalen der achtziger Jahren, nach dem Aufdecken erschreckender Tierhaltungs-, Transport- und Schlachtbedingungen macht Fleischkonsumentinnen und –konsumenten heute die Ausbreitung der Rinderseuche BSE Sorgen. Auf den 1. Januar 2001 hat der Bundesrat mit der Änderung der Tierseuchenverordnung ein generelles Tiermehlverbot beschlossen. Zugelassen bleibt hingegen nach wie vor die Verfütterung von Schlachtabfällen in flüssiger Form an Schweine. Dies im Gegensatz zur EU, welche die Verfütterung tierischer Abfälle konsequent verbietet. «Der Bundesrat betreibt Pfästerlipolitik» betitelt der WWF Schweiz die bundesrätliche Anpassung des Gesetzes und fordert weiterreichende, rasch wirkende Massnahmen. Dazu gehören in erster Linie die Senkung des überhöhten Fleischkonsumes, der zu «katastrophalen Auswirkungen auf Natur, Tier und Mensch führt».

Futtermittel werden importiert
Über 50 kg Fleisch hat jede Schweizerin und jeder Schweizer im vergangenen Jahr verzehrt. Längst ist die Landwirtschaft in unserem Land, und darüber hinaus in Europa, nicht mehr in der Lage, die erforderlichen Futtermittel für die Schlachttiere selber bereitzustellen. Gemäss WWF werden 71 Prozent der erforderlichen Eiweisse, zum Beispiel Soja, aus Übersee importiert, zu einem wesentlichen Teil auch aus tropischen Ländern. Dort erfolgt der Sojaanbau zunehmend auf Kosten von Tropenwaldflächen und gefährdet damit auch den Lebensmittelanbau der lokalen Bevölkerung.

In den Industrieländern sind sowohl Fett- wie auch Eiweisskonsum aus tierischen Quellen entschieden zu hoch. Die ETH-Lebensmittelingenieurin Marianne Botta Diener betont im Artikel «Ernährung: Fleisch? Nein, danke!» in Beobachter 1/01, dass heute etwa dreimal mehr Fleisch, als für eine ausgewogene Ernährung nötig wäre, gegessen werde. Überzeugte Vegetarierinnen und Vegetarier argumentieren noch strenger: Fett, Eiweiss und Kohlenhydrate können problemlos pflanzlich ersetzt werden. Kohlenhydrate zum Beispiel sind in ausreichender Menge in Kartoffeln oder Reis enthalten. Der Eiweissbedarf kann durch Sojaprodukte, Nüsse oder Getreide gedeckt werden, und der geringe Fettbedarf eines Menschen durch die Einnahme von pflanzlichen Ölen, etwa Olivenöl. Sich vegetarisch zu ernähren darf natürlich nicht heissen, einfach das Fleisch wegzulassen, sondern bedeutet, dass man auf eine abwechslungsreiche, vitalstoffreiche und vollwertige Kost umstellt.

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Umweltbelastungen durch Fleischproduktion
Wer seinen Fleischkonsum reduziert, tut nicht nur einiges für die eigene Gesundheit, sondern darüber hinaus auch für den Umweltschutz und die Welternährung. Für die Produktion eines Kilogramms Fleisch werden rund viermal soviel pflanzliche Energie verbraucht wie für die Produktion eines Kilogramms Gemüse. Zudem verursacht die Fleischproduktion deutlich höhere Umweltbelastungen. Futtermittel werden meist in Monokulturen produziert, wobei die Böden mit Pestiziden verschmutzt werden. Bei Mastbetrieben belasten die überschüssigen Nährstoffe aus denhäufig überdüngten Böden die Gewässer.

Wenn ein überhöhter Fleischkonsum sich sowohl auf die Umwelt als auch auf die menschliche Gesundheit negativ auswirkt, so bedeutet die Fleischproduktion für die betroffenen Tiere in herkömmlichen Mastbetrieben eine lebenslange Tortur. Es ist als Alarmzeichen für unsere Gesellschaft zu verstehen, dass sie nach wie vor Millionen von Tieren, die die Fähigkeit haben, Leid und Freud zu empfinden, als «Fleisch von morgen» missbraucht und jeden Gedanken an ihr qualvolles Leben und Sterben verdrängt. Nicht zufällig steht an den meisten Türen zu Intensivtierhaltungen und zu den Schlachthöfen: Zutritt verboten. Doch vielleicht wären ja solche Tafeln gar nicht nötig, weil sich sowieso kaum jemand dafür interessiert, was hinter diesen Türen vor sich geht?

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