1. Home
  2. Tourismus: Schweizer Hilfsprojekt bedroht Python-Paradies

TourismusSchweizer Hilfsprojekt bedroht Python-Paradies

Mit Schweizer Steuergeldern wird auf der indonesischen Insel Flores ein Tourismusprojekt realisiert. Es soll der Bevölkerung ein Einkommen bieten und bezieht auch eine Pythonhöhle mit ein. Experten warnen: Wird die Höhle erschlossen, bedeutet dies das Aus für die Schlangen.

Von

Mit gesenktem Kopf kniet der einheimische Bauer vor dem dunklen Loch, in das gleich eine Gruppe Touristen steigen wird. «Ihr Ahnen, wir grüssen euch», setzt er zum Gebet an. «Sorgt euch nicht. Empfangt uns wohlwollend. Schützt uns!»

Ohne dieses Ritual darf niemand die 170 Meter lange Höhle betreten, die lokale Gemeinschaft empfände dies als Respektlosigkeit gegenüber den Lebewesen in der Grotte. Der Legende nach wurde einst ein ganzes Dorf an diesen Ort verbannt: Weil die Bewohner Inzucht betrieben, wurden sie in Schlangen verwandelt. Für die Einwohner der indonesischen Insel Flores ist die Höhle Wae Wau, übersetzt: «stinkendes Wasser», deshalb ein heiliger Ort.

Ihrem Namen macht sie alle Ehre. Mit jedem Schritt wird der Ammoniakgestank beissender. Schuld ist der Kot von Abertausenden von Flughunden und Fledermäusen. Nach 90 Metern enthält die Luft noch 14 Prozent Sauerstoff – normal wären 21 Prozent. Besucher ringen nach Luft, kriegen Angst. Manchmal reicht das mit Fledermauskot durchsetzte Wasser bis zu den Oberschenkeln. Darin wimmelt es von kleinen Fledermäusen – noch zappelnden, aber auch toten. Auch Wände und Decke sind voller Fledermäuse und Insekten.

Auch das Seco sieht in der Entwicklung der Höhle kein Problem. «Allen Beteiligten ist klar, dass an dieser einzigartigen, aber abgelegenen und eher unwirtlichen Lokalität Massentourismus gar keine Chance hat, sondern allenfalls eine limitierte Anzahl fachlich speziell interessierter Besucher angesprochen wäre», schreibt Seco-Projektleiter Stefan Denzler in einer Stellungnahme. «Diese Höhle ist darum auch nur marginal Teil der gesamten, die lokale Bevölkerung miteinbeziehenden Massnahmen im Hinblick auf einen nachhaltigen Tourismus auf Flores.»

 

Behörden setzen auf Touristen

Die Tourismusbehörde von Westflores scheint dies allerdings anders zu sehen. Bereits hat sie den ursprünglichen Namen der Höhle durch die werbewirksamere Bezeichnung «Snake Palace» Schlangenpalast – ersetzt. «Die Höhle hat einen sehr hohen touristischen Stellenwert», sagt der zuständige Beamte, Konstant Nandus. Deshalb plane man auch eine Strasse, die zu dem kleinen Naturparadies führen soll.

Die Kritiker des Projekts befürchten das Schlimmste für die Schlangenhöhle. Thomas Ulrich dagegen rät, als Schutzmassnahme gegen zu viele Besucher «den Eingang mit einem Eisengitter» abzuschliessen. Ob das reichen wird? Bereits hätten viele Touristen die Höhle besucht, berichten Einheimische – und das noch vor dem Bau der geplanten Erschliessungsstrasse.

Veröffentlicht am 05. März 2010

Bitte melden Sie sich an, um zu diesem Artikel zu kommen­tieren.

1 Kommentar

Sortieren nach:
Pisser, Prinz
Ich habe für diese Viecherte von Pythons kein Mitleid. Meinetwegen kann man gar nicht genug von dieser Spezie zu Fleisch, Leder, Potenzmittel oder was auch immer verarbeiten Lol

Bitte melden Sie sich an, um auf diesen Kommentar zu antworten.