«Wir planen einen Grossangriff», sagt Roland Höhn. Der Sprecher der Taxi Sektion Zürich kommt von einer Telefonkonferenz grosser Taxiverbände. Mitte Mai starten Taxifahrer eine schweizweite Kampagne gegen Uber. Höhn lässt durchblicken, es sei mit Streiks zu rechnen, auch an Flughäfen. Uber, der Fahrdienst aus den USA, konkurrenziert das lokale Taxigewerbe massiv. Die Bestell- und Bezahlmöglichkeit via Handy-App und die deutlich günstigeren Tarife kommen bei Kunden gut an. Uber ist eine Erfolgsgeschichte.

Taxifahrer im Hungerstreik

Die Taxifahrer wehren sich immer verzweifelter gegen die Konkurrenz. Im Herbst veranstalteten sie in Zürich ­einen Warnstreik. Ende Februar demonstrierten sie in Bern. Kürzlich trat ein Zürcher Taxifahrer in den Hungerstreik. In offenen Briefen an Politiker fordert die Branche ein Uber-Verbot und droht mit Klagen. Der Fahrdienst ignoriere die Taxigesetze und sei illegal. Zudem seien die Spiesse nicht gleich lang, da Taxis an zahlreiche Gesetze gebunden seien, die ihren Betrieb verteuerten.

Die Ämter sehen wenig Anlass zum Eingreifen. Laut der Zürcher Volkswirtschaftsdirektion gelten die Dienste von Uber Black und Uber X «im rechtlichen Sinne als Limousinen­services, nicht als Taxis». Im neuen Gesetz soll zum Leidwesen der Täxeler wie bisher zwischen Taxis und (Uber-)Limousinen unterschieden werden. Manche Zürcher Taxichauffeure klagen, ihr Umsatz habe sich seit Ubers Markteintritt halbiert. Uber bedroht nicht allein das Taxigewerbe in seiner Existenz, auch einer gros­sen Taxizen­trale drohe das Aus.

Neustes Ärgernis: Uber Pop

Das neuste Ärgernis sei Uber Pop. Hier fahren Privatleute ohne kommerzielle Absichten, zumindest auf dem Papier. Sie dürfen zweimal in 15 Tagen einen Fahrdienst anbieten, als Beitrag an ihre Autokosten, behauptet Uber. Doch laut Taxifahrern ist Uber Pop ein kommerzieller Dienst. Vorab nachts und an Wochenenden seien Dutzende Uber-Pop-Fahrer in Zürich unterwegs, viele aus dem Aargau, aus St. Gallen oder Schaffhausen. Private würden auf diese Weise illegal nebenbei Geld verdienen, die Polizei schaue weg.

Ein Sprecher der Stadtzürcher Polizei widerspricht: Die Polizei kontrolliere Uber-Pop-Chauffeure «im Rahmen ihrer Möglichkeiten, es kommt auch zu Verzeigungen». Es sei zwar schwierig, Uber-Pop-Anbieter herauszupflücken, da sie sich kaum von üb­lichen Automobilisten unterscheiden, «doch die Polizei hat entsprechende Möglichkeiten». Eine lückenlose Kon­trolle wäre jedoch mit unverhältnismässigem Aufwand verbunden. Die Stadtpolizei hält die Zahl unzulässiger Uber-Pop-Dienste für «eher spärlich».

Die Politiker sind eher pro Uber

Dass sich Uber Pop der Kontrolle ­entzieht, scheint offensichtlich. Vielversprechender als der von der Taxibranche geplante Feldzug gegen Uber scheint dem Bundesrat das Gegenteil: die Liberalisierung der Branche. Er unterstützt eine nationalrätliche Mo­tion, die eine Lockerung der Vorschriften für Taxifahrer verlangt. So sollen diese im Konkurrenzkampf mit Uber nicht mehr benachteiligt sein.

Für eine Marktliberalisierung hat Taxifahrer Höhn wenig Gehör: «Die gesetzlichen Anforderungen an Taxichauffeure sind notwendig.» Wenn Krethi und Plethi Transportdienste anbieten können, gefährde das die Sicherheit des Fahrgasts. Uber Schweiz wollte keine Stellung nehmen.