Im Juni 2008 fielen im AKW Gösgen bei Wiederinbetriebnahme des Reaktors nach der Jahresrevision gleichzeitig alle vier 48-Volt-Gleichrichter des Notstandsystems aus. Nun zeigen Recherchen des Beobachters: Der Fehler, der zu dem Störfall führte, war drei Jahre lang unentdeckt geblieben.

Die Gleichrichter waren bereits bei der Jahresrevision 2005 mit man­gelhaften Magnetventilen nachgerüstet worden, ohne dass jemand dies bemerkt hatte. So kam es beim Anfahren des Reaktors 2008 zu einer Überspannung an den Gleichrichtern. Die Verantwortlichen des AKWs liessen das Werk jedoch nach nur zwei Stunden Unterbruch hochfahren, ohne die Ursache der Störung detailliert abgeklärt zu haben.

Eine Strafanzeige ohne Folgen

Erst acht Monate später mel­deten die AKW-Betreiber die Panne dem Nuklearsicherheitsinspektorat (Ensi). Dieses setzte den Störfall auf die Stufe 1 («Anomalie») der internationalen Bewertungsskala für nukleare Ereignisse und reichte wegen der Verletzung der Meldepflicht eine Strafanzeige ein.

Anfang Juli 2011 beschloss das Bundesamt für Energie jedoch, kein Strafverfahren zu eröffnen. Der Beschluss, dessen Herausgabe ein Bürger vergeblich verlangt hatte (Beobachter Nr. 15), liegt dem Be­ob­achter nun vor. Die Argumentation: Aus den Akten könne nicht entnommen werden, «dass sich überhaupt ein meldepflichtiges Ereignis zugetragen hat».

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Die vier Gleichrichter sind mittlerweile nachgerüstet. Dass der Fehler drei Jahre lang unbemerkt blieb, erklärt Ensi-Mediensprecher Anton Treier damit, dass die Nachrüstung der Magnetventile von der Atomaufsicht nur «stichprobenartig» geprüft worden sei: «Der Fehler war bei der Funktionsprüfung nicht ohne weiteres erkennbar.» Beim Wiederanfahren des Reaktors im Sommer 2008 habe sich zudem kein Ensi-Mitarbeiter vor Ort befunden. Das AKW Gösgen will die ganze Angelegenheit nicht mehr kommentieren.Thomas Angeli