Ein Essen ohne schlechtes Gewissen? Wer konsequent sein will, serviert nicht nur ein Schweizer Freiland-Poulet mit Bio-Gemüse, sondern grillt und kocht mit Solarstrom. Bereits 75 Prozent aller Haushalte in der Deutschschweiz können bei ihrem Elektrizitätswerk (EW) nebst Strom aus Wasser- und Atomkraftwerken auch Ökostrom beziehen. Schon 90 EWs haben im Hinblick auf die Liberalisierung im Energiemarkt Solarstrom in ihr Angebot aufgenommen.

Produziert und dem Markt zur Verfügung gestellt wird Solarstrom von Privatpersonen und Firmen, die entsprechende Anlagen auf dem Dach oder im Garten installiert haben. So speist beispielsweise die Anlage auf einem Getreidemagazin in Bern 200 Kilowatt (kW) ins Netz ein, jene auf einem Einfamilienhaus in Birmensdorf ZH 3 kW. Die Verteilung des Solarstroms erfolgt an einer Börse. Auf der Abnehmerseite stehen Hausbesitzer, Mieter und Firmen. Diese kaufen Solarstrom über das EW per Anmeldetalon – zu einem frei wählbaren Betrag. Das EW informiert darüber, wieviel Solarstrom bereits geliefert worden ist. Sollte die Nachfrage das Angebot übertreffen, wird der fehlende Strom im darauffolgenden Jahr nachgeliefert. Ein Solarstrom-Abonnement ist jederzeit kündbar.

21'000 Haushalte haben bereits erste Erfahrungen mit dem sonnigen Strom gemacht. Dazu ein Solarstrom-Abonnent der Centralschweizerischen Kraftwerke in Luzern: «Da ich nun am Markt aktiv teilnehmen kann, habe ich zum ersten Mal überhaupt nachgeschaut, wieviel Strom ich verbrauche und wo ich sparen kann». Auch der Grosskunde Swisscom bestellte 50'000 kWh Solarstrom, um der neuen Technik eine Chance zu geben.

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Hohe Kosten pro kWh
Einige EWs haben sich durch Unterschriftensammlungen oder politische Vorstösse zum Aufbau einer Solarstrombörse überzeugen lassen. Schon früh aktiv wurde der Kanton Basel Stadt. Dort existiert seit 1983 eine Abgabe auf dem Stromkonsum, mit der erneuerbare Energien gefördert werden. Vor eineinhalb Jahren hat der Kanton die Solarstrombörse gar gesetzlich verankert und sich damit verpflichtet, die Produktion von Solarstrom jährlich zu steigern. Doch auch in anderen Kantonen setzen sich die EWs dafür ein, dass neue Photovoltaikanlagen gebaut werden. Denn der Preis pro Kilowattstunde Ökostrom ist mit 90 Rappen bis 1.20 Franken noch immer vier- bis sechsmal höher als bei Wasser- und Atomkraftwerken.

Wer ein Abonnement für den Bezug von Solarstrom lösen möchte, kann sich an das EW wenden, das die Stromrechnung zustellt. Stellen Sie sicher, dass das EW regelmässig über den ausgelieferten Solarstrom informiert und bei Engpässen nicht bezogenen Strom später liefert. Transparente Preise und kündbare Abonnemente sind wichtige Kriterien. Wählen Sie nur ein EW, das neue Solaranlagen fördert. Diese sollten aber besser nicht im Grünen, sondern auf überbautem Gebiet erstellt werden.

Wissenswertes über Solarstrom

Mit 200 kWh Solarstrom für 200 Franken können Sie

  • 40 Mal wohlig warm baden.
  • 200 Mal eine 60-Grad-Wäsche zu fünf Kilo waschen.
  • Einen Monat in einem Zweipersonenhaushalt sämtliche Haushaltsgeräte laufen lassen.
  • 6 Monate den Kühlschrank mit Strom versorgen.
  • 15 Monate lang fernsehen.

(Quelle: Elektrizitätswerk der Stadt Zürich)