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AKW MühlebergNun auch ein Riss am Druckbehälter

Bild: BKW FMB Energie AG

Erstmals zeigt sich ein Riss in einem Teil der Anlage, der unter Druck steht. Doch die Betreiber finden: «unbedenklich».

von Otto Hostettler

Bei der Jahresrevision wurde Anfang September im AKW Mühleberg erstmals ein Riss im Reaktordruckbehälter entdeckt. «Sicherheitstechnisch unbedenklich», sagt das Nuklearinspektorat als Aufsichtsbehörde. Anderswo haben solche Risse teure Folgen: In Beznau etwa sollen 2013 die Deckel beider AKWs ausgetauscht werden. Kostenpunkt: rund 100 Millionen Franken. Offiziell sind auch die Beznauer Deckel «vollständig intakt», der Austausch erfolge «präventiv».

Der halbstaatliche Berner Energiekonzern BKW als Betreibergesellschaft informiert trotzdem wortkarg. Im neusten «Monatsbericht» der BKW steht nur ein Satz: «Die Überprüfungen am Reaktordruckbehälter ergaben eine für die Sicherheit nicht relevante Anzeige bei einer Rundnaht.» Mehr Information liefert die Aufsichtsbehörde: «Eine Rissanzeige an einer Rundnaht erforderte eine bruchmechanische Bewertung. Das Nuklearinspektorat hat die Analyse überprüft und sich überzeugt, dass die Anzeige sicherheitstechnisch unbedenklich ist.»

Auf Nachfrage des Beobachters heisst es von den BKW, der Riss sei 4,06 Zentimeter lang und 3,2 Millimeter tief (bei einer Wandstärke von 12 Zentimetern). BKW-Sprecher Sebastian Vogler will aber nicht von einem Riss sprechen, sondern von einer «Inhomogenität», die dank neusten Prüftechniken habe festgestellt werden können. Es handle sich «höchstwahrscheinlich» um einen «Bindefehler» zwischen dem Grundmaterial des Reaktordruckbehälters und einer daran angeschweissten Stahlplatte.

Die Risse wachsen weiter – nur langsamer

Bisher ist vom bald 40 Jahre alten AKW Mühleberg nur bekannt, dass es viele wachsende Risse an den Schweissnähten des Kernmantels gibt. Das ist der Stahlzylinder, der den Reaktorkern umhüllt und Kühlwasser durch die Brennstäbe leitet (siehe Artikel zum Thema «AKW: Von Rissen darf keiner wissen»). Dabei wurde auch immer darauf verwiesen, dass der Kernmantel eben nicht unter Druck stehe und die Risse nur schon deshalb unbedenklich seien – ein Argument, das beim neuen Riss im Druckbehälter nicht mehr herangezogen werden kann.

In Mühleberg hat die wortreiche Umschreibung von Problemen schon bald Tradition. Nach der Jahreskontrolle liessen die BKW jetzt verlauten: «Am Kernmantel wurden keine neuen Risse festgestellt. Die Ergebnisse haben den Trend bestätigt, dass das Wachstum weiter zurückgeht.» Zu Deutsch: Die Risse am Kernmantel wachsen weiter, nur nicht mehr so schnell wie bisher.

Veröffentlicht am 2009 M10 12