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BKW-Chef«Neuer Kernmantel ist keine Option»

Bild: Peter Schneider/Keystone

Weitere Anpassungen sollen die Sicherheit von Mühleberg gewährleisten. Wenn es sich rechnet, will Kurt Rohrbach, Chef des Energiekonzerns BKW, den Betrieb aufrechterhalten.

von Thomas Angeli und Otto Hostettler

Beobachter: Herr Rohrbach, der TÜV Nord kommt in einem Gutachten zum Schluss, dass die Zug­anker am Kernmantel selbst im Normalbetrieb die Sicherheit nicht uneingeschränkt gewährleisten können.
Kurt Rohrbach: Ich muss präzisieren: Der TÜV Nord beantwortete die Frage, was passieren würde, wenn nicht der heutige Zustand des Kernmantels zur Basis genommen würde, sondern einer, bei dem die Risse durchgehend und externe Einwirkungen vorhanden wären. Die Frage war, ob unter diesen Umständen die Zuganker ­allein halten würden. Bei den Annahmen hat man ausserdem vorgegeben, dass zusätzlich ein Zuganker ausfallen würde. So ist man zum Schluss gekommen, dass unter diesen Voraussetzungen die Sicherheit nicht mehr gewährleistet wäre.

Beobachter: Ende 2010 mussten Sie dem Ensi ein Instandhaltungskonzept für den Kernmantel abliefern. Dabei haben Sie sicher auch geprüft, was eine Auswechslung des Mantels bedeuten würde.
Rohrbach: Eine Auswechslung ist nur eine Option, ­allerdings eine sehr aufwendige und teure. Zudem wäre die Strahlenbelastung im Vergleich zu anderen möglichen Massnahmen unverhältnismässig hoch.

Beobachter: Eine Auswechslung des Kernmantels kommt ­also für die BKW nicht in Frage?
Rohrbach: Das kann man so sagen, ja.

Beobachter: Was sind denn die Alternativen?
Es gibt verschiedene Optionen, wie man den Kernmantel weiter stabilisieren kann: mit weiteren Zugankern oder anderen Bau­arten von Zugankern etwa.

Beobachter: Sie gehen also davon aus, dass Sie den Kernmantel zwingend stabilisieren müssen, wenn Sie Mühleberg bis 2020 laufen lassen wollen?
Rohrbach: Davon gehen wir aus, ja.

Beobachter: Hand aufs Herz: Finden Sie nicht auch, dass man Mühleberg spätestens nach 50 Jahren ­abstellen sollte?
Rohrbach: Wir haben die Anlage immer dem neusten Stand der Technik angepasst und umfangreiche Investitionen getätigt. Dies nicht ­zuletzt aufgrund von Entwicklungen und Lehren, die wir aus Ereignissen gezogen haben. Wir gehen in unseren Kalkulationen von einer Lebensdauer von 50 Jahren aus. Dabei müssen wir natürlich auch die Frage der Wirtschaftlichkeit ­anschauen. 50 Jahre sind sicher eine vernünftige, realis­tische Grösse.

Beobachter: Wir behaupten: Es ist eine taktische Grösse, um eine Entschädigung verlangen zu können, falls Sie gezwungen werden, Mühleberg vom Netz zu nehmen.
Rohrbach: Die Entschädigung ist eine ganz andere Fra­ge. Wenn die ursprünglichen Rahmenbedingungen geändert werden, etwa durch einen politisch motivierten Ausstieg aus der Kernenergie, stellt sich diese Frage. Sie stellt sich auch in anderen Wirtschaftsbereichen. Ich will noch einmal betonen: Wenn wir zum Schluss kommen, dass wir Massnahmen ergreifen müssen, dann tun wir das von uns aus, ohne regulatorischen Zwang.

Beobachter: Das vielgerühmte SUSAN-Notstandssystem bauten die BKW auf Druck der Behörden ein. Ganz so freiwillig war das nicht.
Rohrbach: Das sage ich auch gar nicht. Einige Nachrüstungen in Mühleberg haben wir von uns aus gemacht, andere auf Druck der Behörden. Die Zuganker zum Beispiel haben wir aus eigenem Antrieb eingebaut.

Beobachter: Fazit: Zum heutigen Zeitpunkt legen Sie die Hand dafür ins Feuer, dass das AKW Mühleberg sicher ist.
Rohrbach: Ich kann es verantworten, Mühleberg weiterzubetreiben. Sonst würde ich einen anderen Antrag stellen.

Veröffentlicht am 2011 M05 24