Beobachter: Herr Wohlgensinger, die VSAI hat mit dem Bundesamt für Energie vereinbart, den Treibstoffverbrauch bis 2008 um 24 Prozent zu senken. Wir behaupten: Diese Vereinbarung ist das Papier nicht wert, auf dem sie geschrieben steht. Sie werden diese Ziele sowieso nicht einhalten können, weil der Verbrauch immer noch steigt.
Tony Wohlgensinger: Wenn dem so wäre, so hätten wir diese Vereinbarung sicher nicht unterschrieben. Aber man darf doch nicht erwarten, dass man innerhalb einiger Monate oder sogar rückwirkend etwas grundlegend verändern kann. Man kann nicht einfach auf einen Knopf drücken, und dann kaufen alle nur noch neue, Benzin sparende Autos.

Beobachter: Die Autoimporteure haben ja ein Interesse, möglichst luxuriöse Autos zu verkaufen. Klimaanlagen, Navigationssysteme und andere technische Spielereien erhöhen aber den Benzinverbrauch, statt ihn zu senken.
Wohlgensinger: Am letzten Automobilsalon haben wir den Verbrauch der 17 neuen Modelle und Motoren analysiert. Deren Verbrauch lag im Durchschnitt 7,5 Prozent unter demjenigen der Vorgängermodelle. Natürlich will der Kunde immer besser ausgestattete Fahrzeuge, aber die Hersteller bieten auch immer effizientere Motoren und Getriebe an.

Beobachter: Die Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie des Ständerats hat kürzlich festgestellt, dass der Treibstoffverbrauch weiter steigt statt zu sinken. Sie hingegen sprechen von einer Trendwende.
Wohlgensinger: Von einer Trendwende bei den neu verkauften Autos, und nur darum geht es in der Vereinbarung. Schliesslich muss man irgendwo anfangen.

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Beobachter: Letztlich sind Sie doch die Vereinbarung mit dem Bundesamt für Energie nur eingegangen, um die Einführung der CO2-Abgabe zu verhindern.
Wohlgensinger: Unsere Vereinbarung bezieht sich nicht auf den CO2-Ausstoss, sondern auf den Benzinverbrauch. Aber auch dort sieht das Energiegesetz so genannte marktpolitische Massnahmen vor, wenn wir das Ziel nicht erreichen, Luxussteuern etwa und solche schlimmen Sachen. Aber wenn das Ziel verfehlt wird, müssten schlussendlich die Konsumenten die Konsequenzen tragen.

Beobachter: Die Ständeratskommission kommt zum Schluss, die CO2-Abgabe drohe «unvermindert». Haben Sie sich schon damit abgefunden?
Wohlgensinger: Nein. Eine CO2-Abgabe würde bekanntlich vom Bundesrat vorgeschlagen und vom Parlament beschlossen. Wenn es einmal so weit sein sollte, reden wir dann darüber, in der Zwischenzeit strengen wir uns an, den Treibstoffverbrauch der Neuwagen zu reduzieren.