In der Erdatmosphäre trägt die steigende CO2-Konzentration zur Klimaerwärmung bei. Das farb- und geruchlose Kohlendioxid (CO2) entsteht unter anderem bei der Verbrennung von Erdöl und Erdgas, Benzin, Diesel, Kohle und Holz.

Die Menge des in die Luft ausgestosse­nen Gases soll weltweit reduziert werden, und zwar nach dem Verursacherprinzip: Wer Schäden bewirkt, soll dafür zahlen – anders als früher, als stets die Gesellschaft die Folgekosten von Verunreinigungen trug, zum Beispiel bei Abfalldeponien.

Quelle: Thinkstock Kollektion

Anteile am weltweiten Ausstoss aller wichtigen Treibhausgase, zum Beispiel Kohlendioxid (CO2), Methan (CH4), Distickstofftetroxid (N2O4)

Der Staat verteilt keine Bussen für Umweltsünder, sondern er setzt Anreize, alte Fabriken ökologisch zu sanieren. Als Erstes definiert der Staat eine CO2-Obergrenze: Wie viele Tonnen schwer darf der Ausstoss (die Emission) in die Luft pro Jahr sein? Dann wird diese Gesamtmenge in handelbare Einheiten zerlegt und auf die einzelnen Verschmutzer, also die ­Fabriken, verteilt.

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Wenn ein Betrieb mehr CO2 produziert, als ihm erlaubt ist, muss er zusätzliche Verschmutzungsrechte erwerben: Ein einzelnes solches Zertifikat berechtigt zum Ausstoss von einer Tonne CO2. Umgekehrt kann ein Betrieb, der dank Sanierungsmassnahmen weniger CO2 ausstösst, als ihm zugeteilt ist, seine Zertifikate verkaufen und damit möglicherweise einen Gewinn erzielen. Weil gesamthaft weniger Zertifikate verteilt werden, als benötigt sind, entsteht ein Handel – und zugleich soll so weniger Kohlendioxid in die Luft gelangen.

Anders gesagt: Die Politik sagt, um wie viel der jährliche CO2-Ausstoss reduziert werden muss. Der Markt entscheidet, wo und wie dies am günstigsten geschieht. Dieses Prinzip funktioniert nicht nur zwischen den Firmen eines Landes, sondern auch zwischen Staaten. Der Staat oder eine einzelne Firma kann auch Emissionszertifikate im Ausland einkaufen. So werden Umweltprojekte in Schwellen- und Entwicklungsländern finanziert.

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Ja, wenn die Umbaukosten tiefer sind als der Erlös aus den Zertifikaten. Umgekehrt kann es für Firmen, bei denen eine öko­logische Sanierung aus technischen Gründen sehr teuer käme, günstiger sein, Zertifikate einzukaufen.

Der Handel allein nicht, Kritiker bezeichnen deshalb das System auch als eine Art Ablasshandel. Aber der marktwirtschaftliche Ansatz führt dazu, dass dort saniert wird, wo es am günstigsten ist. Zudem sinkt die Zahl der vom Staat zugeteilten Zertifikate von Jahr zu Jahr, so dass die ­Gesamtbelastung reduziert wird, was der Umwelt nützt. Im Kioto-Protokoll verpflichtete sich die Schweiz (wie auch die EU), bis 2012 den Treibhausgas-Ausstoss um acht Prozent gegenüber dem Stand von 1990 zu reduzieren.

Quelle: Thinkstock Kollektion
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Nein. Wenn ein Unternehmen aufgrund einer Betriebsschliessung kein CO2 mehr ausstösst, wird auch die Zielvorgabe auf null gesetzt, so dass sich die Zertifikate nicht mehr verkaufen lassen.

Nein, betroffen sind nur Firmen. Schweizer Betriebe, die viel CO2 ausstossen, können wählen: Sie bezahlen entweder die normale CO2-Abgabe (auf Heizöl, Erdgas und Kohle) oder sie machen im Emissionshandelssystem mit. Tun sie das, verpflichten sie sich, den Ausstoss jährlich zu reduzieren: entweder mit Umweltmassnahmen oder mit dem Kauf von Zertifikaten. Interessant ist das vor allem für grosse Energieverbraucher wie Hersteller von Glas, Papier oder Zement.

In der Schweiz noch gar nicht; das Ganze ist vorderhand ein Papiertiger. Die Berner Kan­tonalbank hat zwar für die Schweiz eine Handelsplattform eingerichtet. Allerdings kam seit Eröffnung im November 2009 nicht ein Deal zustande. Mit ein Grund dafür ist, dass Unternehmen, die ihre Fabriken sanieren, ihre Zertifikate gar nicht verkaufen müssen; sie können sie aufbewahren. Das kann sinnvoll sein, weil noch unklar ist, wie es nach 2012 weitergeht. Geplant ist, dass sich die Schweiz dem EU-Emissionshandels­system anschliesst, die dazu nötigen Verhandlungen haben aber erst angefangen.

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Die Preise schwanken extrem und sinken tendenziell. An der Europäischen Energiebörse in Leipzig sackte der Preis von ursprünglich 30 Euro pro Tonne CO2 bis im Juni 2007 auf 0,2 Euro ab. Grund dafür: Die EU-Staaten hatten den Firmen anfangs zu viele Emissionsrechte zugeteilt. Aktuell ist der Preis rund 13 Euro pro Tonne CO2. Der tiefe Preis bedeutet nach Meinung vieler Fachleute, dass sich Umweltinvestitionen für die Unternehmen zu wenig lohnen.