Vor rund einem Jahr haben kalifornische Astronomen eine bahnbrechende Entdeckung gemacht. Weit ausserhalb der bekannten acht Planetenbahnen und weit entfernt vom Minibrocken Pluto soll ein bisher unbekannter neunter Planet seine elliptische Bahn um die Sonne ziehen. Der neue eiskalte Planet soll etwa zehnmal so massereich sein wie die Erde und nur alle 10'000 bis 20'000 Jahre einmal die Sonne umrunden. Der Planet, beziehungsweise seine Bahn, wurde bisher lediglich rechnerisch ermittelt – aufgrund der beobachteten Beeinflussung anderer kleinerer Himmelskörper, die auf das Gravitationsfeld eines bislang unbekannten Planeten schliessen liess.

Naht der Weltuntergang?

Seither mehren sich die wildesten Spekulationen. In teilweise sehr aufwendig gemachten Videos auf Youtube und in zahlreichen, mit pseudowissenschaftlichen Fakten angereicherten Beiträgen im Internet, in Büchern und in Boulevardmedien heisst es, der sogenannte Planet 9 oder Planet X (römisch für die Zahl 10, weil Pluto lange als neunter Planet galt) könnte der in alten Texten angekündigte Himmelskörper «Nibiru» sein. Er soll die biblisch prophezeite Endzeit einläuten.

Die Verschwörungstheoretiker machen geltend, der Planet sei bereits sichtbar. Sie präsentieren angebliche Bilder des Planeten und wollen wissen, dass sich Regierungen im Geheimen weltweit bereits darauf einstellen, dass «Nibiru» schon im kommenden September unserer Erde gefährlich nahe kommen werde, ihre Bahn beeinflussen und eine apokalyptische Katastrophe auslösen werde.

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Der Beobachter fragte dazu im astronomischen Institut der ETH Zürich nach, wo der renommierte Astrophysiker und Mathematiker Kevin Schawinski lehrt. Die Fakten zeigen ein ganz anderes, nicht minder spannendes, aber keinesfalls bedrohliches Bild vom vermuteten neuen Planeten und seiner Bahn.

Kevin Schawinski im Video-Interview

Zur Person

Kevin Schawinski, 35, ist Professor für Astrophysik an der ETH Zürich. Er studierte Mathematik und Physik in New York und doktorierte 2008 in Oxford. 2008 wurde er mit dem Michael-Penston-Preis für Astronomie in Grossbritannien ausgezeichnet, 2009 war er Teil des Nasa-Einstein-Fellows-Programms, in dessen Rahmen hochqualifizierte Astronomen ihre Kenntnisse in die Politik und die Lehrprogramme einbringen sollen.

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