Energiesparende Häuser lassen sich besonders gut verkaufen, das hat die Bau- und Immobilienindustrie längst gemerkt. In Inseraten taucht deshalb eine Fülle von Begriffen auf, die Energieeffizienz suggerieren: «Klimahaus», «Solarhaus», «Energiesparhaus», «Niedrigenergiehaus» oder auch «Sonnenhaus» – nicht selten leere Versprechungen, die dem Käufer gar nichts bringen. «Minergie ist das einzige Label in der Schweiz für energiesparende Bauten, das klaren Standards folgt und entsprechend zertifiziert wird», sagt Felix Meier vom WWF Schweiz.

Vorsicht vor Murks und Täuschung ist also angebracht beim Kauf einer Immobilie, die mit tiefem Energieverbrauch, aber ohne Minergie-Label angepriesen wird. Am besten lässt man sich den versprochenen Energieverbrauch pro Quadratmeter beheizter Fläche schriftlich bestätigen und vergleicht ihn mit den Werten, die das Gesetz vorschreibt. So zeigt sich schnell, ob das Objekt tatsächlich bessere Werte erzielt als die in den geltenden Vorschriften verlangten.

Zwei Regeln, die vor Täuschung schützen
Der sicherste Weg, ein tatsächlich energieeffizientes Haus zu bekommen, führt über das Minergie-Label – obwohl ab und zu dubiose Geschäftemacher das Label unrechtmässig verwenden. «Wir müssen leider immer wieder Rechtsstreitigkeiten austragen», sagt Franz Beyeler von Minergie. Zum einen, weil Gebäude mit dem Minergie-Label beworben werden, obwohl kein Antrag auf Zertifizierung gestellt wurde. Zum anderen, weil sich im Nachhinein herausstellt, dass der Ersteller eines Gebäudes das Label zwar beantragt hat, die nötigen Massnahmen aber nicht umsetzt. Während beim Standard Minergie-P jedes Haus vor Erteilung des Labels geprüft wird, trifft es beim normalen Minergie-Standard nur jedes zehnte. Käufer sollten darum einige Vorsichtsregeln beachten:

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  • Versichern Sie sich in der Gebäudeliste auf www.minergie.ch, ob für das Objekt ein Antrag auf die Erteilung des Labels gestellt wurde. Werbung mit dem Label ist erst erlaubt, wenn die Einhaltung des Standards aufgrund der eingereichten Berechnungen provisorisch erfüllt ist. Nach der provisorischen Erteilung hat der Antragsteller dann drei Jahre Zeit, das Objekt zu realisieren und das endgültige Label zu erhalten.

  • Lassen Sie sich im Kaufvertrag bestätigen, dass das Objekt dem von Ihnen gewünschten Standard (Minergie, Minergie-P, Minergie-Eco) entsprechen wird. Falls die Vorgaben beim Bau nicht erfüllt werden sollten, haben Sie die Möglichkeit, rechtliche Schritte einzuleiten und einen Minderwert geltend zu machen.


Rund 10'000 Gebäude sind in den letzten Jahren in der Schweiz nach den Standards von Minergie und Minergie-P entstanden. Sie weisen nach, dass energieeffizientes Bauen möglich und lohnend ist. Um 1980 verbrauchte die Bereitstellung von Heizwärme und Warmwasser in einem neugebauten Ein- oder Mehrfamilienhaus umgerechnet rund 20 Liter Öl pro Quadratmeter Wohnfläche. Minergie-Häuser dagegen warten mit Verbrauchswerten zwischen 3 und 4,2 Litern auf. Hätten alle neugebauten Gebäude ähnlich tiefe Verbrauchswerte, liesse sich der CO2-Ausstoss der Schweiz massiv verringern. Nicht zuletzt deshalb hat die Konferenz der kantonalen Energiedirektoren (EnDK) im April 2008 beschlossen, die Verbrauchswerte neuer und sanierter Liegenschaften in der Schweiz massiv zu senken. Die Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich, Ausgabe 2008, kurz «Muken», setzen den Energieverbrauch für Heizung und Warmwasser in Neubauten auf 4,8 Liter nicht erneuerbare Energie pro Quadratmeter fest.

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Die «Muken» verschärfen die geltenden Bauvorgaben für alle Häuser und bilden die Basis für die Anpassungen der jeweiligen kantonalen Vorschriften. Bereits eingeführt hat sie das Tessin, 14 Kantone, darunter Basel-Stadt, Glarus und Luzern, werden im laufenden Jahr folgen. «Im Verlauf von 2010 werden die neuen Vorschriften fast flächendeckend umgesetzt sein», sagt EnDK-Geschäftsführer Fadri Ramming.

Trotz der Verschärfung lassen die «Muken» den Bauherren viel Freiheit. Wie der Effizienzwert erreicht wird, ist weitgehend offen. Neben einer dicke-ren Isolation sind auch der Einsatz von Sonnenkollektoren oder die Wärmerückgewinnung mögliche Alternativen. «So kann viel besser auf die jeweilige Situation eingegangen werden», sagt Christoph Gmür, Leiter der Sektion Energietechnik beim Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft des Kantons Zürich. 

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Auch bei der Altbausanierung werden die neuen Vorschriften zum Tragen kommen. Bei alten Gebäuden gilt ein Grenzwert von umgerechnet neun Litern Heizöl pro Quadratmeter. Dieser muss bei jeder umfassenden Sanierung eingehalten werden. «Ein Sanierungszwang besteht jedoch nicht und wäre rechtlich auch nicht durchsetzbar», sagt Fadri Ramming von der EnDK. Deshalb setzen die Kantone und der Bund auf die Freiwilligkeit und fördern die energetische Sanierung von Gebäuden durch Beratung, Aufklärung, Schulung von Fachleuten sowie mit Förderbeiträgen, zum Beispiel im Rahmen des Klimarappens (www.klimarappen.ch). Dieses Programm soll im nächsten Jahr durch ein nationales Gebäudesanierungsprogramm abgelöst werden, das derzeit durch die EnDK erarbeitet wird.

Heizölverbrauch bei Neubauten

Jährlicher Verbrauch in Litern pro m2 Wohnfläche

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Minergie-P-Neubau balken.gif 3
Minergie-Neubau 2008 balken.gif 3,8
Minergie-Neubau 1998 balken.gif 4,2
Mustervorschriften 2008 balken.gif 4,8
Minergie-Sanierung 2008 balken.gif 6
Minergie-Sanierung 1998 balken.gif 8
Mustervorschriften 2000 balken.gif 9
Musterverordnung 1992 balken.gif 12
Neubau 1975 balken.gif 22


Quelle: Minergie