Sieben Milliarden – so viele Menschen werden in wenigen Monaten auf der Erde leben. Und die Welt­bevölkerung wächst weiter: Jeden Tag kommen 228'000 Menschen hinzu. Das entspricht einem jährlichen Plus von 83 Millionen Menschen oder der Bevölkerung ganz Deutschlands. 

Quelle: Jochen Tack/Prisma

Allerdings ist seit längerem eine Trendwende sichtbar. ­In fast allen Ländern nimmt die Geburtenrate ab, das Wachstum verlangsamt sich. Vor allem in Schwellenländern wie China, Indien oder Brasilien macht sich der Effekt ­bemerkbar: Wo es den ­Menschen immer besser geht, nimmt auch die Kindersterblichkeit ab – was die Frauen veranlasst, ­weniger Nachwuchs zu haben. Alle Länder, die Armut erfolgreich ­bekämpfen, machen diesen Wandel durch.

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Auch global zeichnet sich ein Ende des Wachstums ab. Schon 2030 werden pro Familie nur noch 2,1 Kinder auf die Welt kommen, so viel, dass Geburten- und Sterberate ausgeglichen sind. Trotzdem wird die Zahl der Menschen noch mindestens 20 Jahre lang anwachsen – weil viele junge Frauen erst ins gebärfähige ­Alter kommen. Etwa im Jahr 2050 könnte es dann so weit sein: Das Maximum ist erreicht, die Bevölkerung ­stagniert oder beginnt wieder abzunehmen. Rund neun Milliarden Menschen werden wir dann sein – zwei Milliarden mehr als heute.

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Quelle: Jochen Tack/Prisma

Die kontinuierliche Landflucht führt dazu, dass sich das globale Bevölkerungswachstum vor allem auf die Städte konzentriert. Dabei wird eine wachsende Zahl von Menschen noch für einige Zeit in Elendsvierteln leben müssen. Denn die meisten besonders schnell wachsenden Agglomerationen ­befinden sich in den Schwellen- und Entwicklungsländern.

Die 15 grössten Städte der Welt im Jahr 2025 (nach einer Schätzung der Uno):

 

1

Tokio

Japan

37,1 Mio.

2

Delhi

Indien

28,6 Mio.

3

Mumbai

Indien

25,8 Mio.

4

São Paulo

Brasilien

21,7 Mio.

5

Dhaka

Bangladesch

20,9 Mio.

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6

Mexico City

Mexiko

20,7 Mio.

7

New York

USA

20,6 Mio.

8

Kalkutta

Indien

20,1 Mio.

9

Schanghai

China

20,0 Mio.

10

Karatschi

Pakistan

18,7 Mio.

11

Lagos

Nigeria

15,8 Mio.

12

Kinshasa

D. R. Kongo

15,0 Mio.

13

Peking

China

15,0 Mio.

14

Manila

Philippinien

14,9 Mio.

15

Buenos Aires

Argentinien

13,7 Mio.

Quelle: Jochen Tack/Prisma

Während die Bevölkerung in ­Europa abnimmt und in Nord- und Südamerika beinahe ­stagniert, wächst sie vor allem in Afrika rapide an: von einer auf beinahe zwei Milliarden ­Menschen. Damit verliert Europa künftig noch mehr an Bedeutung. Waren im Jahr 1950 noch 21,6 Prozent aller Menschen ­Europäer, werden es im Jahr 2050 nur noch 7,6 Prozent sein. Asien stellt heute mit 60,3 Prozent weiterhin den grössten Teil der Bevölkerung, dieser Anteil bleibt aber stabil.

Quelle: Jochen Tack/Prisma
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Gemäss den neusten Szenarien des Bundesamts für Statistik wird die Zahl der Menschen in der Schweiz weiter zunehmen. Es wird erwartet, dass sie von heute 7,8 auf 9 Millionen im Jahr 2060 ansteigen wird – ein Plus von 1,2 Millionen Menschen oder 15 Prozent. Der Anstieg kommt nicht durch einen Geburten­überschuss zustande, sondern durch Ein­wanderung. Ohne ­Immigration würde die Bevölkerung aufgrund der geringen ­Geburtenrate von 1,48 Kindern pro Frau längerfristig ab­nehmen. Die höchste Einwanderungs­rate wird in den Kantonen Waadt, Freiburg, Aargau, Genf, Obwalden und Luzern sowie im Raum Zürich erwartet. Gemäss dem plausibelsten, mittleren Szenario ist der Zuwachs in den nächsten 20 Jahren am stärksten; dann stabilisiert sich die ­Bevölkerung. Bei diesem Szenario gehen die Statistiker davon aus, dass sich weder die Immi­grationspolitik noch das Freizügigkeitsabkommen mit der EU wesentlich ändern wird.

Quelle: Jochen Tack/Prisma

Jeder siebte Mensch hungert. Immerhin sinkt der Anteil der Hungernden seit ­längerem – trotz Bevölkerungswachstum. Das zeigt, dass die beiden Probleme ­wenig miteinander zu tun haben. Vielmehr ist der Hunger direkt mit der Armut verbunden: Es wäre für alle genügend ­Essen da, doch die Armen können es sich nicht kaufen. «Die Welt könnte auch zehn Mil­liarden Menschen ernähren», so der Öko­nom und Entwicklungsexperte Richard Gerster (siehe Interview, Seite 30). Trotzdem wird es immer schwieriger, alle zu ­ernähren: Die Getreide­produktion muss bis 2050 um 40 Prozent gesteigert werden, die Fleischproduktion gar um 74 Prozent. Um dies zu erreichen, müsste man die Landwirtschaftsfläche um 120 Millionen Hekta­ren erweitern – das ist 3,3-mal die Fläche Deutschlands. Vorhanden sind freie geeignete Flächen nur noch in Afrika und Südamerika. Vor allem in Afrika wird für die nächsten Jahrzehnte eine veritable Anbauschlacht ­erwartet. Entsprechend kommt die Natur weiter unter Druck. Gleichzeitig könnte der Ernteertrag wegen des Klimawandels in vielen armen Ländern zurückgehen.

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Quelle: Jochen Tack/Prisma
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Quelle: Jochen Tack/Prisma

Die Karte zeigt, wo es wegen der globalen ­Erwärmung bis 2050 zu mehr Dürren kommen wird. Der Effekt des ­Klimawandels ist jedoch noch unklar, denn trotz mehr ­Dürren ist vielerorts mit einem rascheren Pflanzenwachstum zu rechnen.

Quelle: Jochen Tack/Prisma
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Quellen: UNO World Population Prospects 2008, UNO World Urbanization Prospects 2009 (update mai 2010), Bundesamt für Statistik, Welthungerhilfe, IFPRI, FAO, Pete Smith u.a. sowie Jemma Gornall u.a., beide in: Phil. Trans. R. Soc. B, 2010, 365