BeobachterNatur: Thomas Kolly, sind Sie über das Ergebnis der Verhandlungen in Kopenhagen enttäuscht?
Thomas Kolly: Ich habe mir in Kopenhagen natürlich schon ein etwas griffigeres Resultat erhofft. Aber der multilaterale Verhandlungsprozess ist immer sehr langwierig. In diese Sinne bin ich froh, dass doch gewisse Resultate erreicht werden konnten. Dazu gehört die Verankerung des 2-Grad-Zieles, die Finanzhilfe an die Entwicklungsländer sowie Fortschritte in den Bereichen Waldrodung. 2010 wird die Arbeit weitergeführt, aufbauend auf den Arbeiten, die seit Montreal respektive Bali geleistet worden sind.

BeobachterNatur: Wie haben Sie die letzten Stunden des Gipfels, die doch sehr dramatisch gewesen sein müssen, erlebt?
Kolly: Die letzten Stunden waren in der Tat sehr dramatisch. Viele Emotionen wurden an die Oberfläche gespült. Delegierte, die sich benachteiligt fühlten, schlugen mit dem Landesschild auf ihr Pult, um sich Gehör zu verschaffen. Erschütternde Appelle von Inselstaaten, die in ihrer Existenz bedroht sind, wechselten sich ab mit politischen Voten, in denen einzelne Staaten, insbesondere die USA, oder die ganze Gruppe der  Industriestaaten an den Pranger gestellt wurden. Und schliesslich kam doch die Einigung auf den «Copenhagen Accord», der einem nach der schlaflosen Nacht wie eine Erlösung vorkam.

BeobachterNatur: Welche konkreten Vorgaben und Ziele gilt es nun für die Schweiz umzusetzen?
Kolly: Die Schweiz hat in Kopenhagen die Bereitschaft bestätigt, auf jeden Fall ihre Emissionen bis 2020 im Vergleich zu 1990 um 20 Prozent zu reduzieren. Bundesrat Leuenberger hat zudem die Bereitschaft der Schweiz – sofern das Parlament zustimmt – erklärt, ihre Unterstützung der Entwicklungsländer im Klimabereich pro Jahr von 80 Millionen Schweizer Franken um 50 Millionen auf 130 Millionen zu erhöhen.

BeobachterNatur: Was erwarten Sie sich vom nächsten Klimagipfel in Mexiko?
Kolly: Fortschritte beim Aufbau der internationalen Klimaarchitektur, in der alle Länder, entsprechend ihren Kapazitäten, ihr Möglichstes zur Reduzierung der Emissionen und zur Anpassung an die veränderten Klimaverhältnisse beitragen.

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