Seit Jahresbeginn haben sich bereits 28 Schweizerinnen und Schweizer in ihren Ferien mit dem Zika-Virus infiziert, weltweit sind es schon mehr als 80’000. Das meldete das Bundesamt für Gesundheit (BAG) zu Beginn der Woche. Gleichzeitig rief die Behörde zur Besonnenheit auf: Einerseits sei die Gefahr, sich hierzulande anzustecken, praktisch bei Null. Andererseits werde nur rund ein Drittel der infizierten Menschen auch tatsächlich krank. Trotzdem bleibt die Unsicherheit: Woher kommt dieses Virus überhaupt? Wann ist er gefährlich? Und wie kann man sich schützen? Wir beantworten die fünf wichtigsten Fragen.

  1. Woher kommt das Zika-Virus?

    Es wurde vor knapp 70 Jahren im Zika-Wald von Uganda in Ostafrika entdeckt. Der Krankheitserreger wird in der Regel durch den Stich einer Mücke der Gattung «Aedes aegypti» übertragen, der ägyptischen Tigermücke. Es ist übrigens dasselbe Insekt, das auch das Gelb- und Denguefieber überträgt. Auch die asiatische Tigermücke, die vereinzelt in Südeuropa und sogar im Tessin vorkommt, kann offenbar als Träger auftreten.

    Seit Entdeckung des Erregers im Jahr 1947 sind während Jahrzehnten weltweit nur wenige Zika-Fälle registriert worden, ehe die Epidemie im Jahr 2015 in Zentral- und Südamerika ausgebrochen ist. Inzwischen gibt es gemäss WHO mehr als 82'000 bestätigte Fälle und mehr als 420'000 Verdachtsfälle. Nochmals rund dreimal so viele dürften das Virus ausserdem in sich tragen.


  2. zika-artikel2.jpgWelche Länder sind vom Zika-Virus betroffen?

    Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind unter anderem folgende Länder betroffen (Stand: 20. Juli 2016): Argentinien, Brasilien, Costa Rica, Dominikanische Republik, Ecuador, Guatemala, Kolumbien, Kuba, Mexiko, Paraguay und Peru. Die einzigen grösseren Länder in Mittel- und Südamerika, die noch keine Fälle registriert haben, sind Chile und Uruguay. Eine laufend aktualisierte Karte findet sich auf der Webseite der WHO.

    In nicht betroffenen Ländern, also auch in der Schweiz, ist das Risiko einer Erkrankung folglich verschwindend klein. Man müsste hierzulande von einer asiatischen Tigermücke (siehe Bild rechts) gestochen werden, die das Virus bereits in sich trägt, weil sie zuvor einen infizierten Menschen gestochen hat. «Wer nicht in ein betreffendes Gebiet reist, muss sich bei aktuellem Stand keine Sorgen machen», zerstreut das BAG allfällige Sorgen.

    Inzwischen gibt es den Hinweis darauf, dass der Erreger auch durch ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen werden kann. Dazu gibt es schon einige registrierte Fälle in Südamerika. Allerdings ist dieser kausale Zusammenhang noch nicht wissenschaftlich erwiesen.


  3. Für wen ist das Zika-Virus gefährlich?

    In 60 bis 80 Prozent der Fälle wird eine Infektion nicht einmal bemerkt. Bei den übrigen Personen können Symptome wie leichtes Fieber, Hautausschlag mit roten Punkten, Kopfschmerzen, Gelenk- und Muskelschmerzen auftreten. Die Folgen sind vergleichbar mit dem Dengue- oder Gelbfieber – oder einer mittelschweren Grippe.

    Das grösste Risiko besteht für schwangere Frauen: In einigen Regionen von Brasilien wurde bei Neugeborenen eine Zunahme der Fälle von Missbildungen des Schädels und des Gehirns festgestellt. Auch hier allerdings ist die Kausalität noch nicht belegt. Trotzdem empfiehlt das BAG ausdrücklich, dass Schwangere nicht in gefährdete Regionen reisen sollten.


  4. Was ist bei Reisen in gefährdete Gebiete zu beachten?

    Es sind weder ein Impfstoff noch eine spezifische Behandlung verfügbar. Zum Schutz vor solchen Infektionen wird empfohlen, einen Mückenspray zu verwenden, dem ganzen Tag körperbedeckende Kleider zu tragen und nachts unter einem Moskitonetz zu schlafen.

    Ausserdem sollten Frauen im gebärfähigen Alter mindestens 3 Menstruationszyklen nach ihrer Reise eine Schwangerschaft vermeiden. Und weil das Virus wie schon erwähnt auch im Sperma überleben kann, sollten Männer beim Sex mindestens 3 Monate lang ein Kondom benützen.

    Diese Vorsichtsmassnahmen mögen zwar übertrieben klingen, aber: Man kann den Erreger in sich tragen, ohne es zu merken und damit andere unwissentlich schädigen!


  5. Was tun, wenn ich trotzdem gestochen werde?

    Auf keinen Fall panisch werden! Es gibt Tausende Mückenarten – und normalerweise klingen die Schmerzen nach kurzer Zeit ab. Nach einem Stich sollte man die Wunde «sofort kühlen oder mit Gel wie ‹Fenistil› einstreichen», sagt Tropenmediziner Christoph Hatz im Interview mit dem Beobachter. «Und: Nicht kratzen, da sonst eine Wunde entsteht, die sich entzünden kann.» Falls nach einigen Tagen grippeähnliche Symptome auftreten, sollten Sie allenfalls einen Arzt aufsuchen.

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Quelle: Science Source/Keystone
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