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Fleischproduktion«Kühe killen das Klima nicht»

Kühe
Klimakiller Kühe? Die Vorteile der Weidehaltung für die Umwelt werden gerne vernachlässigt. Bild: Getty Images

Studien zum Methan-Ausstoss zeigen oft nur die halbe Wahrheit, sagt Agrarwissenschaftlerin Anita Idel.

von Andrea Haefely

Anita Idel ist Tierärztin in Berlin und war Lead-Autorin des Weltagrarrats.

Anita Idel

Beobachter: Die Kuh rülpst und furzt die Atmosphäre ­kaputt, behaupten Studien. Ist die Kuh ein Klimakiller?
Anita Idel: Klimakiller ist immer der Mensch. Denn er entscheidet, wie er die Kuh hält. Viele dieser Studien sind keine Klimastudien: Sie sind reduziert auf den Ausstoss des Gases Methan. Ausser Acht gelassen werden die Nachteile intensiver Tierhaltung – insbesondere Lachgas aus synthetischer Stickstoffdüngung, das ist zwölfmal so klimaschädlich wie Methan. Zudem fallen die Vorteile der Weidehaltung für die Umwelt völlig unter den Tisch.

Beobachter: Was für Vorteile?
Idel: Nachhaltige Beweidung fördert das Graswachstum ober- und unter­irdisch. Deshalb sind Dauerweiden enorm wichtig für das Klima. Ihre grosse Wurzelmasse bindet durch die Fotosynthese CO2 aus der Luft. Und daraus entsteht der Humus von morgen: Jede Tonne Humus entlastet die Atmosphäre um 1,8 Tonnen CO2. Je nachhaltiger die Weide bewirtschaftet wird, desto grösser das Wurzelwachstum, desto mehr CO2 kann gebunden werden.

Beobachter: Einige Studien behaupten aber, intensive Stallhaltung sei besser für die Umwelt.
Idel: Wenn man ausschliesslich die Methan-Emission pro Kilo Fleisch oder Milch berechnet, kommt man zur Schlussfolgerung: Fütterung mit Mais, Getreide und Soja statt Weide. So werden Kühe zu Nahrungskonkurrenten des Menschen gemacht. Solche Berechnungen bewerten aber das Importfutter nicht mit. Es ist doch absurd, wenn ressourcenverbrauchende, bodenzerstörende Intensivhaltung mit Getreidefütterung klimaschonender erscheint als nachhaltige Weidehaltung.

Beobachter: Kann mit Weidehaltung überhaupt ­genug Rindfleisch produziert werden, um die Nachfrage zu decken?
Idel: Vielleicht nicht. Aber die Lösung für Tier- und Klimaschutz lautet: weniger und dafür umweltverträgliches Fleisch!

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Veröffentlicht am 2017 M02 14