Die alpine Grasart namens Krummsegge erreicht ein rekordverdächtiges Höchstalter von fast 5000 Jahren. Dies wiesen Forschende des Botanischen Instituts der Universität Basel nach, wie sie in der Fachzeitschrift «Molecular Ecology» berichten. Das zeige, dass diese Pflanzen extrem anpassungsfähig seien – denn in der langen Zeitspanne ihres Lebens hätten Temperaturschwankungen von mehreren Grad Celsius stattgefunden.

Alpin-arktische Pflanzenarten haben sich an die besonderen Lebensbedingungen oberhalb der Baumgrenze oder in der Tundra angepasst. Solche Klon-Pflanzen vermehren sich sowohl durch vegetatives Wachstum, also ungeschlechtlich, auch als geschlechtlich durch die Bildung von Samen. Viele von ihnen wachsen extrem langsam und können grosse Klone bilden. Oft dominieren solche Arten die Pflanzengesellschaften in kalten Lebensräumen. Langlebigkeit könne massgeblich zur Stabilität von Pflanzen gegen Klimaveränderungen beitragen, schreiben die Forschenden in einer Medienmitteilung.

BIS 18 METER LANGE PFLANZENKLONE

Lucienne de Witte und Jürg Stöcklin hatten mit genetischen Methoden Populationen von vier wichtigen Gebirgspflanzenarten in den Alpen, den Karpaten und in Lappland untersucht. Mit sogenannten molekularen Fingerprints können Pflanzenindividuen genetisch unterschieden werden. Die Forschenden wollten herausfinden, wie gross und wie alt diese Individuen sind und wie viel anpassungsfähiger Nachwuchs vorhanden ist. In allen Populationen fanden sie Individuen unterschiedlichster Grösse – von wenigen Zentimetern bis zu 18 Metern – und ein geschätztes maximales Alter zwischen 500 und bis zu 4900 Jahren. Trotz der erstaunlichen Langlebigkeit einzelner Individuen war die genetische Vielfalt immer hoch, und in allen Populationen dominierten eher kleinere, jüngere Individuen.

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«Die Ergebnisse sind bedeutsam, wenn man die Auswirkungen des aktuellen Klimawandels auf langlebige Pflanzen verstehen will», schreiben die Forscher. Offenbar haben klonale Gebirgspflanzen an ihrem Standort während Hunderten und Tausenden von Jahren überlebt, und dies trotz Temperaturschwankungen von mehreren Grad Celsius. Die Kombination von Langlebigkeit und einer kontinuierlichen Rekrutierung von anpassungsfähigem Nachwuchs garantiert eine maximale Überlebensfähigkeit dieser Pflanzen – zumindest solange der Klimawandel nicht so rasch stattfindet, wie es die extremsten Szenarien der Klimaforscher beschreiben.