Der Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz legt in einer neuen Analyse dar, wie schlecht es um die biologische Vielfalt in der Schweiz steht: Nur noch fünf Prozent der natürlichen grösseren Flüsse seien bis heute erhalten geblieben, schreibt der Umweltverband in einer Medienmitteilung. Bei den Mooren seien es noch zwölf Prozent, bei den Trockenwiesen und -weiden gar bloss vier Prozent. Und von den Hochstamm-Obstbäumen seien in den letzten Jahrzehnten rund 80 Prozent verschwunden. «Nur der Wald ist dank dem strikten Flächenschutz nicht zurückgegangen», so der SVS. Ausgewertet wurden hauptsächlich Forschungsergebnisse des Forums Biodiversität der Akademie der Naturwissenschaften.

Die Naturschützer schauten sich auch die Artenvielfalt genauer an: Bei den Säugetieren, Vögeln, Fischen, Amphibien, Reptilien und Flechten seien heute je über 50 Prozent der Arten gefährdet. «Die Biodiversität ist die wichtigste natürliche Ressource unseres Landes», schreibt der SVS. «Es braucht dringend ausreichende Massnahmen zu ihrem Schutz und ihrer Förderung.» Dass es möglich ist, zeige das Beispiel des Steinkauzes.

Steinkauz gerettet

Der Steinkauz brütete bis in die 1950er Jahre in der Schweiz in mehreren tausend Paaren. Dann begann die Intensivierung der Landwirtschaft: Millionen von Hochstamm-Obstbäumen wurden gerodet, Blumenwiesen verarmten zu einförmigen Fettwiesen. Nur noch etwa 50 Steinkauz-Paare blieben übrig, weniger als zwei Prozent des ursprünglichen Bestandes.

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Kurz vor dem Aussterben des Steinkauzes konnte der SVS/BirdLife Schweiz zusammen mit verschiedenen Partnern ein Artenförderungsprogramm für die kleine Eule starten. Die Naturschützer pflanzten an strategischen Orten in den Kantonen Baselland, Jura und Aargau neue Hochstamm-Obstgärten und legten Kleinstrukturen und Magerwiesen an. Besondere Nisthilfen erhöhten den Bruterfolg. Dank diesem Programm liess sich das Aussterben des Steinkauzes verhindern, und heute brüten wieder etwa 80 Paare in der Schweiz. «Das zeigt, dass es sich auch in fast aussichtlosen Situationen lohnt, für die Biodiversität zu handeln», schreibt der Schweizer Vogelschutz. Allerdings sei ein rechtzeitiger Schutz der Biodiversität sicher einiges kostengünstiger.

Eine nationale Strategie, um den Verlust der biologischen Vielfalt zu stoppen, ist derzeit in Vernehmlassung (siehe dazu auch: «Ein Plan für mehr Vielfalt»).

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