Von den ehemals etwa 250'000 Bienenvölkern, die vor 2006 in der Schweiz gehalten wurden, sind bereits 100'000 gestorben. Doch nun scheint der Bienenkiller gefunden worden zu sein: Der Sonntagsblick schrieb Mitte Februar, Pflanzenschutzmittel mit dem Wirkstoff Clothianidin seien schuld am grossen Sterben. Die Zeitung stützte sich dabei auf eine Studie der Universität Padua (Italien). Gemäss dieser scheiden die behandelten Maispflanzen Wassertröpfchen aus, welche Spuren des Gifts enthalten. Wenn Bienen dieses Wasser aufnehmen, sterben sie innert weniger Minuten.

Laut Sonntagsblick sind die Schweizer Imker erleichtert, endlich zu wissen, was den Bienen derart zusetzt. Clothianidin steht indes schon länger im Verdacht, den Bienen zuzusetzen. Die Bienenzüchter hatten bereits im Mai 2008 vom Bund einen Zulassungsentzug des Wirkstoffs verlangt, nachdem es in Deutschland zu einem riesigen Bienensterben gekommen war. Nun fordert der Verein Schweizer Wanderimker das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) erneut auf, die Verwendung des Insektizids zu untersagen. In Frankreich und neuerdings auch in Deutschland und Italien sind solche Pflanzenschutzmittel bereits verboten, nicht aber in der Schweiz und in Österreich.

Was bringt die Bienen um? Das Bundesamt für Landwirtschaft zweifelt an der Clothianidin-Theorie.

Quelle: Jupiterimages

Eine Theorie mit Beweislücken

Dass Clothianidin tatsächlich für das Bienensterben in der Schweiz verantwortlich ist, ist freilich noch nicht ganz bewiesen. Denn erstens ist für das Bienensterben in Deutschland, bei dem im letzten Frühling rund 12'000 Bienenvölker zugrunde gingen, ein anderes Insektizid verantwortlich: das viel stärkere Poncho Pro – und nicht Poncho, das in der Schweiz und Österreich verwendet wird. Zweitens gelangte das Gift in Deutschland grossflächig als Feinstaub in die Umwelt; die Saatguthersteller hatten die mit Poncho Pro gebeizten Körner mit zu wenig Haftmittel versehen.

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Drittens passt nicht zur neuen Wassertröpfchen-Theorie, dass die Schweizer Bienenvölker hauptsächlich im Winter starben, und nicht im Mai, wenn die Maisfelder mit dem Insektizid behandelt werden. Und viertens haben eigene Untersuchungen der Herstellerfirma Bayer CropScience laut Sonntagsblick ergeben, dass die Tröpfchen keinen Einfluss auf die Bienenvölker haben.

Für Jürg Jordi vom BLW ist die Beweislage damit noch nicht ausreichend. Das BLW wolle nun zuerst die Studie aus Padua analysieren, bevor sie Massnahmen anordne. Gleichzeitig laufen am Zentrum für Bienenforschung der Forschungsanstalt Agroscope Liebefeld-Posieux ALP in Liebefeld-Bern Forschungsarbeiten zum Bienensterben.

Immerhin will das BLW verhindern, dass dieses Jahr das Gleiche geschieht wie letztes Jahr in Deutschland. Das Bundesamt hat daher am 20. Januar angeordnet, dass die Landwirte ihre Drillmaschinen so ausstatten müssen, dass kein toxischer Staub mehr aufgewirbelt werden kann.