Forscher der Universität Zürich machten letztes Jahr in Burma eine ganz besondere Entdeckung: Sie fanden in unberührten Urwäldern eine schwarz-behaarte Affenart, die der Wissenschaft zuvor unbekannt war. Die Art erhielt den Namen «Rhinopithecus strykeri», auf Deutsch Burmesischer Stumpfnasenaffe. Sie lässt sich unter anderem durch eine «Elvis-Haartolle» und eine seltsame Nase charakterisieren: Weil letztere nur aus zwei leicht nach oben gerichteten Löchern besteht, fliesst bei Regen Wasser in das Riechorgan. Deshalb müssen die Tiere gemäss den Forschern häufig niesen.

Der seltene Stumpfnasenaffe ist freilich nur eine von über 1500 neuen Tier- und Pflanzenarten, die seit 1997 in der Mekong-Region gefunden wurden. Dies schreibt der WWF in einer Medienmitteilung. Allein 2010 wurden im Gebiet 208 neue Arten beschrieben, darunter 28 Reptilien, 7 Amphibien, zwei Säugetiere und eine neue Vogelart. Das teilweise mehrere hundert Kilometer breite, relativ unberührte Naturgebiet entlang des Mekong-Flusses ist damit einer der letzten grossen Biodiversitäts-Hotspots der Welt. Der Fluss fliesst durch Kambodscha, Laos, Myanmar, Thailand, Vietnam und China (siehe Karte in obiger Galerie).

Klon-Eidechsen im Restaurant

2010 entdeckten vietnamesische Forscher auch eine neue Eidechsen-Art, die sich allein durch Klonen fortpflanzt. Den ersten Nachweis der Art namens «Leiolepis ngovantrii» machten die Biologen in einem Restaurant, in welchem die Echsen zum Verkauf angeboten wurden. Später untersuchten die Forscher rund 70 Individuen. Alle Eidechsen stellten sich als Weibchen heraus. Die Art kommt allem Anschein nach meist oder immer ohne Männchen aus; die Jungen entstehen aus unbefruchteten Eizellen.

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Zum ersten Mal gesichtet wurde im letzten Jahr auch ein kleiner, gelbgrün-gefiederter Vogel. Die Forscher nannten ihn «Phylloscopus calciatilis», auf Englisch Limestone Leaf-warbler. Er brütet in Laos und gehört zu den Laubsängern. Ebenfalls ein Highlight der Neuentdeckungen ist ein farbenfroher Gecko, der auf der dicht bewaldeten Insel Hon Khoai im Süden Vietnams lebt. Die Art mit dem Namen «Cnemaspis psychedelica» zeigt ein orange-gelb-grün-blaues Schuppenkleid, das wohl die Vögel warnen soll. Untersuchungen des Erbguts ergaben, dass die Reptilienart seit rund 20 Millionen Jahren existiert. Heute ist das Tier allerdings stark gefährdet.

2010 wurden aber auch 145 bislang unbekannte Pflanzenarten ans Licht gebracht – darunter fünf neue Arten von fleischfressenden Kannenpflanzen. Vier wurden in Thailand entdeckt, eine in Kambodscha. Die grossen Pflanzen ernähren sich zur Hauptsache von Ratten, Mäusen, Eidechsen und kleinen Vögeln.

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Tiger und Delfine

In der Mekong-Region leben auch noch einige besonders stark gefährdete Arten wie Tiger, Asiatische Elefanten oder Mekong-Delfine. Allerdings sind die Lebensräume entlang des Flusses laut dem WWF stark gefährdet, einerseits durch den ungebremsten Bau von Strassen, Siedlungen und Staudämmen, andererseits durch die Rodung von Wäldern. Zudem hat der Klimawandel einen negativen Einfluss auf das System, da extreme Ereignisse wie Fluten, Dürren und Stürme in den letzten Jahrzehnten zugenommen haben. «Die lokalen Behörden dürfen den Schutz der Natur nicht länger nur als Kostenfaktor betrachten», kommentiert Doris Calegari, Artenschutzexpertin beim WWF Schweiz. «Eine intakte Natur bildet die unentbehrliche Lebensgrundlage für die 300 Millionen Menschen, die dort leben.»

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