Rudolf S. ist ein Tierfreund und selbst Besitzer eines Hundes. Trotzdem ärgert er sich über die Hilfe, die die Organisation «Vier Pfoten» den Bukarester Strassenhunden angedeihen lässt. «Das geht eindeutig zu weit.» In ihrem Bettelbrief schreibt «Vier Pfoten» nämlich, für 25 Schweizer Franken könne sich ein Hund einen Monat lang «satt fressen». Das bezweifelt Rudolf S. zwar nicht. Aber er findet: «Mit 25 Franken kann ich einem Kind in der Dritten Welt helfen – das scheint mir doch wichtiger zu sein.»

Eindrücklich beschreibt Stefan Weber, der Geschäftsleiter von «Vier Pfoten», in seiner Dokumentation das Schicksal der rund 200'000 streunenden Hunde in den Strassen Bukarests. Die Stadtregierung habe während Jahren blutige Jagd auf die Tiere gemacht, sie eingefangen, in ein «Todeslager» gebracht und dort grausam geschlachtet. Dank «Vier Pfoten» sei dies nun vorbei, die Hunde würden kastriert, geimpft, aufgepäppelt und wieder ins Strassenleben entlassen.

Das alles kostet viel Geld. Laut Angaben von «Vier Pfoten» werden für eine Kastration 100 Franken verlangt. 20'000 Hunde seien bis jetzt kastriert worden. Das komme auch den Menschen zugute, findet Geschäftsführer Stefan Weber. «Mit dem Töten löst man das Problem nicht. Eine Hündin wirft jährlich immerhin fünf bis sechs Welpen. Ohne Kastration hält die Vermehrung an.»

«BB» unterstützt Kastrationen Gestartet wurde das Hundeprojekt im Jahr 1994 – und es hat eine namhafte Fürsprecherin: Brigitte Bardot. Die ehemalige Filmdiva erregt mit ihren Aktionen zum Wohl der Tiere seit Jahren viel Aufsehen. So liess sie sich etwa mit geretteten Robbenbabys in Kanada ablichten, und sie nahm am «Ersten Internationalen Streunerhundekongress» teil. Vor einigen Wochen war «BB» nun höchstpersönlich in Bukarest und hat die Stadtregierung für das Kastrationsprogramm gewonnen.

Ist das wirklich sinnvoll? Beim Schweizer Tierschutz gibt man sich bedeckt. Man kritisiere keine anderen Tierschutzorganisationen, sagt Pressesprecher Mark Lissi. «Als Privatmann frage ich mich allerdings, ob man dieses Problem mit Kastrationen lösen kann.»

Ein in Bukarest lebender Schweizer – nach eigenen Angaben ebenfalls ein Hundefreund – wird noch deutlicher: «Für die Bevölkerung sind die Tiere ein Riesenproblem. Pro Jahr werden in Bukarest 30'000 bis 40'000 Leute von Hunden gebissen. Meine Frau traut sich in keinen Park mehr hinein.» Ausserdem gehe es der Bevölkerung wirtschaftlich schlecht. «Da fragt man sich schon, ob man nicht den Menschen statt den Tieren helfen sollte.»

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