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FischfangSoll heute Fisch auf den Tisch?

Der Konsum von Fisch und Meerestieren nimmt in der Schweiz stetig zu. Doch erst ein geringer Teil der Seafood-Produkte stammt aus nachhaltigem Fang. Etwas besser sieht die Situation bei den Fischen aus Bio-Zucht aus.

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Auf diesen Fisch ist Coop mächtig stolz: auf den neu erhältlichen Goldbutt mit dem MSC-Label. Mit einer grossen Medienpräsentation inklusive Betriebsbesichtigung und Verkostung kündigte der Grossverteiler Ende Juli die Aufnahme des Fischs ins Sortiment an. MSC steht für «Marine Stewardship Council» und bedeutet, dass der Goldbutt garantiert aus nachhaltiger Fischerei stammt. 

Coop will auch im Fisch- und Seafood-Bereich zu den ökologischen Vorreitern gehören, hat aber ein kleines Problem: Fische aus nachhaltigem Fang sind in den Mengen, wie der Grossverteiler sie benötigt, fast nicht zu erhalten – entsprechend klein ist das Angebot an MSC-Produkten in den Regalen. Jeder neu erhältliche MSC-Fisch wird daher zum Medienevent.

Coop ist wie auch die Migros der «WWF Seafood Group» beigetreten. Diese Gruppe vereint Unternehmen, die einen aktiven Beitrag zum Meeresschutz leisten wollen. «Die Umstellung auf MSC ist ein langwieriger Prozess», sagt Marco Märsmann von der Coop-Tochter Bell AG, die Coop mit Frischfisch beliefert. Heute tragen bei Coop 13 Prozent der Wildfang-Produkte das MSC-Siegel, bei der Migros sind es zehn Prozent.

Der MSC wurde vor zehn Jahren gegründet, um der Überfischung entgegenzutreten. Heute dürfen sich jedoch erst 50 Fischereibetriebe mit dem MSC-Label schmücken, weitere 100 stehen kurz vor der Zertifizierung. Kein Wunder also, haben die Grossverteiler Mühe, auf Produkte aus nachhaltigem Wildfang umzustellen. Bei einigen besonders überfischten Arten blieb Migros und Coop daher nur, sie ganz aus den Regalen zu nehmen. So geschehen etwa bei Rochen oder Zackenbarsch.

Doch warum sind erst so wenige Fischereibetriebe MSC-zertifiziert? «Viele Betriebe scheitern schon an der Vorbewertung», sagt Marnie Bammert vom MSC. Die Ziele sind hoch gesteckt, der Zertifizierungsprozess ist kompliziert. Nur so kann garantiert werden, dass jeder MSC-Fisch auch wirklich nachhaltig gefangen wurde.

Trotzdem vermag das MSC dank einer hohen Glaubwürdigkeit bereits wichtige Signale hin zu einer nachhaltigeren Fischerei zu setzen. Und diese Signale sind dringend nötig: Gemäss der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, der FAO, ist heute die Hälfte der weltweiten Fischbestände bis an ihre biologische Grenze befischt. Will heissen: eine noch stärkere Befischung liegt nicht drin, ansonsten brechen die Bestände zusammen. Ein weiteres Viertel ist bereits deutlich überfischt oder sogar ganz erschöpft. Ohne ein generelles Umdenken in der Fischerei werden in einigen Jahrzehnten diverse Fischarten stark dezimiert oder ganz verschwunden sein.

Und dies, obwohl allerorten neue Fischzuchten entstehen: Bereits 45 Prozent der weltweiten Fischprodukte stammen aus Zucht und nicht mehr aus Wildfang. Das macht die Sache in punkto Ökologie allerdings nicht viel besser: In Zuchtfarmen werden Unmengen Chemikalien und Antibiotika eingesetzt, die Abwässer gelangen oft ins Meer, und viele Zuchtfische werden mit Meerestieren aus Wildfang gefüttert. Abhilfe versprechen hier die Bio-Labels, in der Schweiz vor allem die Bio-Knospe und das Bio-Label der Migros. Bei Coop stammen bereits 17 Prozent aus Bio-Produktion, bei der Migros fünf Prozent.

Fische kaufen ohne schlechtes Gewissen
Wer nachhaltig gefangenen oder produzierten Fisch kaufen möchte, achtet auf das MSC- oder das Bio-Label. Daneben existieren diverse kleine Label, etwa dasjenige von «Friend of the Sea». Welche Fische oder Meerestiere ebenfalls guten Gewissens konsumiert werden können, zeigt ein Blick auf die folgenden Webseiten:

Online-Fischführer des WWFFischratgeber von Greenpeace

Veröffentlicht am 29. Juli 2009