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FotografieDie Natur im Fokus

Was macht gute Naturfotografie aus? Vier Schweizer Profis zeigen ihre ­Lieblingsbilder und verraten ihre Tricks.

Spiegelbilder faszinieren mich. Ich habe immer wieder Tiere und ihre gespiegelten Abbilder fotografiert, auch Vögel oder Frösche. Die Gämsen waren aber am schwierigsten. Mit ­etwas Salz lockte ich die Tiere zum Bergsee. Ich wartete anderthalb Stunden unter einem Tarnnetz mit vorbereiteter Kamera. Als sich die Tiere an der gewünschten Stelle befanden, drückte ich auf den Auslöser. Den Ort der Aufnahme verrate ich nicht. Es ist eine Stelle in den Alpen, die ich regelmässig besuche. Ich weiss deshalb, dass dort Gämsen anzutreffen sind. Es waren aber während mehrerer Jahre etliche Anläufe nötig, bis mir diese Aufnahme glückte.

Gute Tierbilder sind keine Zufallsproduk­te, sondern kalkulierte Schnappschüsse. Damit sie gelingen, braucht es Kenntnis der Lebensweise der Tiere sowie Ausdauer und Hartnäckigkeit.

Einmal harrte ich bei Temperaturen von bis zu minus 15 Grad zehn Stunden lang in meinem Versteck aus. Schliesslich konnte ich einen Steinadler fotografieren, der einen Fuchs vom Köder verjagte.

Ich bin seit 25 Jahren Naturfotograf und ehrgeizig, sonst würde ich solche Strapazen nicht auf mich nehmen. Mindestens so wichtig ist mir aber die Liebe zur Natur. Wenn ich stundenlang auf das Motiv warte, ist das wie Meditation. Entsteht dann noch ein gutes Bild, ist die Freude riesig.

Aufgezeichnet von Stefan Stöcklin


  • Den besten Standort wählen: Man sollte das Verhalten der Tiere kennen
    und wissen, wo sie sich aufhalten und wie sie sich bewegen. Dann kann man den geeigneten Standort für die Kamera wählen.
  • Mehrmals abdrücken: Schiessen Sie lieber ein Bild zu viel statt eines zu wenig. Am besten fotografiert man gleich im Serienmodus.
  • Kurze Verschlusszeit: Weil sich Tiere bewegen, sollte die Belichtungszeit auf 1/250 Sekunde oder weniger eingestellt werden. Das bedingt aber eine entsprechend hohe Lichtempfindlichkeit.

Auf den ersten Blick sieht man die Tücher, die den Gletscher abdecken, gar nicht. Die einst weissen Schutzplanen fügen sich perfekt in die Umgebung ein. Das Foto vom Rhonegletscher entstand letzten Sommer als Arbeit für meinen Bildband «Moments». Der bewölkte Himmel und das diffuse Licht erzeugen eine eigentümliche Stimmung. ­Hinzu kommt die Struktur des Gletschers, der mit seinem schmutziggrauen Eis einer Skulptur gleicht. Ich habe unweit des Wegs zur Eisgrotte aus der Hand abgedrückt, ­ohne Stativ und Teleobjektiv. Das Zentrale ist der Ausschnitt, das richtige Verhältnis von Abdeckung und Gletscher.

Die Aufnahme versinnbildlicht den unaufhaltsamen Rückgang des Gletschers und die Bemühungen des Menschen, dem Lauf der Zeit entgegenzuwirken. Durchschnittlich zehn Meter pro Jahr hat sich der Rhonegletscher im letzten Jahrzehnt zurückgezogen. Die Eisgrotte, die seit 1870 jedes Jahr ins Eis geschlagen wird, schmilzt im Verlauf des Sommers um ein Drittel weg, trotz der Schutzabdeckung.

Das Bild ist ein Dokument der Vergänglichkeit. Und es illustriert die Schnittstelle zwischen unberührter Landschaft und menschlichem Eingreifen. Die Planen sind Fremdkörper. Aber ­sie machen die Spannung aus. Ohne die Tücher wäre dieses Bild ein ganz anderes. Ich will nicht zeigen, wie schön oder kaputt die Natur ist. Ich ­suche Bilder, an denen man hängen bleibt.

Aufgezeichnet von Tatjana Stocker


  • Das richtige Wetter abwarten: Bei schönem Wetter ziehen alle los. Dabei macht man oft die interessanteren Landschaftsaufnahmen, wenn der Himmel grau statt blau ist.
  • Den richtigen Ausschnitt wählen: Ein Bild entsteht, indem ich weglasse. Die Kunst besteht darin, aus der ­unbeschränkten Zahl von Möglichkeiten einen speziellen Ausschnitt festzulegen.
  • Am richtigen Ort abdrücken: Ein Bild wird nicht zwingend besser, wenn ich drei Tage lang durchs Gebirge trekke. Ich kann auch neben dem Auto ein aussergewöhnliches Bild schiessen.

Die beiden Gartenlaubkäfer entdeck­te ich an einem Rosenbusch. Während zweier Jahre habe ich regelmässig in dem wunderbaren Naturgarten am Fuss des Waadtländer Juras fotografiert. Alles habe ich akribisch dokumentiert: den Lauf der Jahreszeiten, die Tiere, die Vielfalt der Blumen, die alten Bäume. Es ist erstaunlich, was man alles sieht, wenn man über längere Zeit immer wieder denselben Ort besucht.

Dieses Foto schoss ich bei schönem Frühsommerlicht, wie immer ohne Blitz. Zwei von fünf Aufnahmen erwiesen sich später als gelungen. Das entspricht ganz meiner Devise: Arbeite möglichst gut im Feld, dann hast du nachher weniger Arbeit am Computer. Apropos Computer: Bei der Nachbearbeitung beschränke ich mich darauf, die Fotos zu «entwickeln». Das heisst, ich stelle die Belichtung ein, erhöhe vielleicht den Kontrast und die Sättigung etwas. Ansonsten sollen meine Bilder die Realität abbilden. Nicht einmal Stromleitungen würde ich wegretouchieren.

Dank Digitaltechnik kann heute fast jeder gute Bilder schiessen. Deshalb gibt es immer mehr Fotografen. Mir bereitet das Sorge, denn manche kümmern sich nicht um die Natur: Sie zertrampeln die Wiesen und verscheuchen die Tiere. Für mich als Biologen und Naturfreund hat das nicht viel mit Naturfotografie zu tun.

Aufgezeichnet von Stefan Bachmann


  • Immer mit Stativ: Bei der Makrofotografie ist ein Stativ unerlässlich. Eine grosse Tiefenschärfe erreicht man mit einer möglichst geschlossenen Blende.
  • Makrofotografie nie mit Blitz: Das beste Licht ergibt sich frühmorgens oder abends oder bei bewölktem Himmel. Allenfalls mit einem kleinen Reflektor arbeiten.
  • Mehrere Ebenen zusammenfügen: Tipp für scharfe Bilder: Man nimmt vom gleichen Sujet mehrere Schärfeebenen auf und setzt die Bilder am Computer zusammen (sogenanntes Focus stacking). Das geht zum Beispiel mit Helicon Focus oder Combine ZM.

Fische zu fotografieren ist meine Spe­zialität. Diesen Schwarm Alet entdeckte ich beim Schlösschen Wörth unterhalb des Rheinfalls. Wie fast immer arbeitete ich vom Ufer aus mit einer Kamera, die an einer langen Stange ins Wasser hing. Diese Konstruktion ist ziemlich hightech: Dank einer Überwachungskamera und einem Monitor kann ich ständig verfolgen, was im Wasser vor der Kamera geschieht. So kann ich im richtigen Moment per Fernbedienung abdrücken.

Meist sitze ich am Ufer unter einem schwarzen Tuch, damit kein Licht auf den Monitor fällt. Das zieht natürlich oft Interessierte an. Manche dachten schon, sie hätten eine Leiche entdeckt. Auch am Rhein sahen mir viele Touristen zu. Weil sie Brot ins Wasser warfen, schwamm der Schwan heran. Rasch drückte ich ab, und schon war der Vogel wieder weg.
Zur Unterwasserfotografie bin ich in Alaska gekommen, als ich einen Schwarm traumhaft schöner, knallroter Lachse sah. Später konnte ich aus der Unterwasserperspektive Bären beim Fischen fotografieren. Die Kamera war oft keine fünf Zentimeter von deren Schnauze entfernt.

Heute bin ich oft an Flüssen im Ausland unterwegs. In der Schweiz ist das Fotografieren von Fischen leider schwierig geworden, da die Bestände regelrecht eingebrochen sind. Die Tauchfotografie im Meer überlasse ich gerne anderen. Denn eigentlich bin ich ziemlich wasserscheu.

Aufgezeichnet von Stefan Bachmann


  • Das Bild entsteht im Kopf: Wer gut fotografieren will, muss mit offenen Augen durchs Leben gehen. Den Sinn für Schönheit schult man in Foto- und Kunstausstellungen.
  • Unter Wasser ganz nah ran: Eine möglichst geringe Distanz zum Objekt ist unter Wasser ein Muss. Ambitioniertere Fotografen arbeiten daher mit Weitwinkelobjektiv und Vollbildkamera.
  • Im Meer beginnen: Flüsse sind oft trüb. In einem Korallenriff mit klarem Wasser ist der Einstieg in die Unterwasserfotografie am einfachsten.

Veröffentlicht am 08. April 2013