Gelebte Promiskuität: Beide Männchen (oben) haben eine Chance beim Weibchen (unten). Wer jedoch Vater wird, entscheidet sich später.

Quelle: Sarah Pryke, Macquarie University

Menschliche Massstäbe angelegt müsste man sagen: Die Gould-Finken-Damen aus Australien haben es faustdick hinter dem Kopfgefieder. In Bezug auf das männliche Geschlecht und mit Blick auf den potenziellen Nachwuchs sagen sie sich: Mal schauen, wer vorbeikommt – wer der Vater meiner Küken wird, entscheide ich später.

Die Weibchen betreiben Vielmännerei – paaren sich mit mehreren Männchen und haben die Fähigkeit, deren Sperma getrennt zu speichern. Im Nachhinein entscheiden sie, welcher vermutlich die besten Gene hat. Dessen Sperma wählen sie dann zur Befruchtung der Eier aus.

Wer den genetischen Hintergrund kennt, versteht das Verhalten – und Sexualmoral kennen Tiere nicht, es geht um das Überleben der Art: Gould-Finken gibt es in verschiedenen Gen- und Farbvarianten, und ihre Gene sind nicht gut kompatibel.

Beim Mischen der Gene kommen Küken mit deutlich schlechteren Überlebenschancen heraus. Folglich sammle das Weibchen Sperma und wähle am Ende jenes aus, das die gesündesten Küken verspricht, schreibt Sarah R. Pryke von der Macquarie University in Sydney im Fachjournal «Science».