Menschen haben in der «Grotte Chauvet» nicht gewohnt. Sie kamen vor etwa 32'000 Jahren in die Höhle, um Tiere zu zeichnen, vermutlich aus spirituellen Gründen. Die Steinzeitmenschen haben Pferde, Löwen und Nashörner perfekt und äusserst naturgetreu dargestellt. Ihre Bilder zeichnen sich in einer Schärfe von den Kalkwänden der Höhle ab, als seien sie erst kürzlich gemalt worden. Dabei handelt es sich um die frühesten bekannten Wandmalereien überhaupt. Die rund 500 Darstellungen sind fast doppelt so alt wie die vergleichbaren Zeichnungen in der bekannten Las-caux-Höhle. Nach einem der Entdecker sowie dem Fundort bei einer Felsbrücke über dem Fluss Ardèche wird der steinzeitliche Kultort Grotte ChauvetPont-d’arc genannt. Die Höhlenforscher Jean-Marie Chauvet, Éliette Brunel Deschamps und Christian Hillaire drangen im Dezember 1994 als Erste in die verborgenen Gänge vor. Und entdeckten die steinzeitliche Galerie.

Ab dem 12. Januar läuft der Film «Die Höhle der vergessenen Träume» von Regisseur Werner Herzog in die Schweizer Kinos. Der 3-D-Film macht den Raum erlebbar, den die Künstler für ihre Darstellungen genutzt haben. Gekonnt zeichneten sie ihre Tierbilder über die Wölbungen und in die Einbuchtungen der Wände.

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Die räumliche Tiefe sorgt für ein ­realistisches Höhlenerlebnis und entschädigt dafür, dass die Grotte vorderhand für Besucher verschlossen bleibt. Selbst Kunsthistoriker und Forscher dürfen sie nur für kurze Zeit erkunden, damit die konservierende Atmosphäre der Gruft nicht gestört wird. Auch ­Filmemacher Herzog musste sich strengen Vor­gaben beugen. Nur stundenweise und mit minimaler technischer Ausrüstung durfte er mit seinem Team in der Höhle drehen. Der Qualität des Films haben diese Einschränkungen jedoch nicht geschadet.

In unserer Bildgalerie erläutert Jean-Marie Le Tensorer vom Institut für prähistorische und naturwissenschaftliche Archäologie der Universität Basel eine Auswahl von Darstellungen aus der Chauvet-Höhle, die im Film zu sehen sind. Der Professor für Urgeschichte setzt sich seit Jahrzehnten mit prähistorischer Kunst auseinander. Er erklärt, was die Darstellungen auszeichnet, und macht verständlich, wieso selbst abgebrühte Experten beim Anblick der Zeichnungen Hühnerhaut bekommen.

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Jean-Marie Le Tensorer, Professor für Urgeschichte

Quelle: Christian Flierl
Quelle: Christian Flierl
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