Sie waren schon da, als das Material des Matterhorns noch nicht in die Höhe gepresst war, um von Gletschern zum Toblerone-Vorbild geschliffen zu werden, und noch heute sind sie unterwegs. Die Honigbienen. Im Dienste ihres von einer Königin beherrschten Staats und sehr zum Nutzen der Menschen.

Gerade jetzt hat die Chefin, von einer Schar schwänzelnder Hofdamen versorgt, mächtig zu tun. Tausendmal und noch öfter pro Tag misst sie eine der vielen von ihren Töchtern gebauten Waben aus und legt ein Ei hinein. Junge Helferinnen füllen sofort Futter nach. Viel Eiweiss aus Blütenpollen etwa, angeschleppt in farbenfrohen Körbchen an den Hinterbeinen älterer Sammelbienen. Ein faszinierendes Schauspiel, das sich da hinter den bunt bemalten Fluglöchern von schmucken Bienenhäuschen abspielt. Leider den meisten von uns verborgen, weil man sich besser verschleiert nähert. Oder rauchend, weil das auch Bienen friedlich stimmt. Imker und Imkerinnen sind ja auch bald noch die Einzigen, die ungetadelt schmauchen dürfen.

Monatlich wird das Staatsvolk ausgewechselt

Bis zu 40 000 Arbeitsbienen pro Volk sind in Spitzenzeiten im Einsatz. Mehr als 1000 Jungbienen schlüpfen dann pro Tag aus den Waben. In ihrem kurzen Leben von nur etwa vier Wochen beginnen sie als Putz- und Kinderschwestern, um später auf die Bienenweide auszufliegen, an Bäume und Blüten. Meist auf Rat einer Schwester, die auf der Wabe tanzend und trommelnd von süsser Beute berichtet hat. Ihr kurzes Leben hat zur Folge, dass die Staatsbevölkerung jeden Monat fast völlig ausgetauscht wird. Massenwechsel heisst das etwas herzlos im Fachjargon.

Bienenmänner tun nichts, Schuften ist Frauensache

Zusammengezählt arbeiten pro Jahr gut 160'000 und mehr Bienen in einem Stock. Ihre Leistung – vom Menschen gern in Manntagen berechnet – summiert sich leicht auf über vier Millionen Bienentage. Es sind hier allerdings ausschliesslich Frauentage. Denn Bienenmänner, kaum mehr als fliegende Samenpakete, arbeiten nie. Die Zahl mag belegen, warum die fleissigen Sammlerinnen für die Volkswirtschaft der Menschen unersetzlichen geldwerten Nutzen bringen – als Bestäuber- und Befruchterinnen (wie wir das schon früh beim Versuch Erwachsener, uns über die schönen Seiten der Fortpflanzung aufzuklären und dabei nicht rot zu werden, erfahren durften).

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Natur pur ist das heutige Bienenwesen allerdings nicht. Denn unsere Bienen, auf die heimatlichen Tugenden Fleiss und Friedlichkeit hin gezüchtet, gibt es nur, weil Imker und Imkerinnen sich um die Völker kümmern. Ihnen etwa einen echten Schweizer Kasten als Heimat anbieten, sie umsorgen, um am Ende für die viele Arbeit etwas Honig gegen viel Zucker zu tauschen. Liessen die Imker von ihrem Hobby, blieben jedenfalls die Früchtestände im Laden bald leer. Die Versuchung wächst. Denn derzeit plagt die Bienenfreunde jeden Frühling die bange Sorge, ob die paar tausend im Herbst geborenen und dank fehlender Arbeit besonders langlebigen Winterbienen es schaffen, einem neuen Volk zum Start zu verhelfen.

Varroa destructor bedroht Leben und Ertrag

Mit im Stock sitzt heute nämlich immer auch der braune Gast aus dem fernen Asien, die Varroa destructor. Eine Milbe, die in den Brutwaben aufwächst, sich später am Blut der Bienen labt und gern auf Flügen mitreist. So gross wie ein Kaninchen wäre sie, auf unsere Dimensionen übertragen.

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Anders als ihre Schwestern im Osten verstehen unsere Bienen es (noch) nicht, den Blutsauger in Schach zu halten. Darum müssen die Bienenhalter jeden Herbst den Milbenbefall reduzieren. Mit organischen Methoden, die man am Zentrum für Bienenforschung des Bundes im bernischen Liebefeld entwickelt hat. Tun sie es nicht, sterben die Völker. Wie bereits ihre wilden Schwestern. Gut darum, dass die Spezialisten des Bundes jetzt als Anführer im international aufgestellten Programm «Coloss» nach effizienterer Abhilfe suchen. Gelänge es ihnen, würde Liebefeld seinem Namen wirklich gerecht.