Marc Riggenbachs erster Arbeitstag im Zoo Basel begann mit einem Paukenschlag. Auf seinem Schreibtisch fand der stellvertretende Direktor an jenem Montag Anfang 2010 ein grosses Couvert. Nachdem er es geöffnet hatte, musste der Ökonom erst einmal durchatmen. In den Händen hielt er eine Gutschrift über siebeneinhalb Millionen Franken – das grösste Legat, das der Zolli bis dahin erhalten hatte. Über die Beweggründe der grosszügigen Spenderin Clara Meyer-Forrer, die als Kinounternehmerin ein Vermögen gemacht hat, weiss Riggenbach nichts Genaueres. Doch der Vertrauensbeweis dieser Frau, die das Geld ohne irgendeine Auflage dem Zoo vermacht hat, rührt ihn immer noch. Seit Riggenbachs Amtsantritt hat der Zoo das Fundraising weiter ausgebaut. Seither fliessen die Spenden reichlich und summieren sich auf 20 bis 26 Millionen Franken pro Jahr.

Unterdessen liegt der Zolli-Rekord einer Einzelspende bei 25 Millionen Franken. Sie kam vom schwerreichen Unternehmer und Architekten Matthias Eckenstein. Der heute 84-Jährige finanzierte über die Eckenstein-Geigy-Stiftung den Bau der neuen Anlage für Schimpansen, Orang-Utans und Gorillas. Als Beweggrund gab er an, das Projekt sei im Sinne seiner verstorbenen Frau, und er habe die Anlage ermöglicht, um ihr ein Denkmal zu setzen. Zoodirektor Olivier Pagan lobte die «Geigy-Anlage» im Herbst 2012 bei der Eröffnung als Weltneuheit.

Netzwerkpflege trägt zur Finanzierung bei

Zoos stehen für Natürlichkeit, für seltene Tiere und Pflanzen. Als Botschafter der Natur bringen sie uns eine ­exotische, aber auch unsere eigene, fremdgewordene Umwelt näher. Das gute Image ist Millionen wert. Die Verantwortlichen der beiden grössten Schweizer Zoos in Basel und Zürich pflegen dieses positive Image denn auch nach Kräften. Um daraus Kapital schlagen zu können, brauchen sie einen guten Draht zu verschiedenen Kreisen der Gesellschaft und Kommunikationstalent. ­Sowohl Direktor Olivier Pagan in Basel als auch der Zürcher Zoodirektor Alex Rübel erfüllen diese Bedingungen. Einflussreiche Persönlichkeiten aus den Verwaltungs- oder Stiftungsräten unterstützen sie beim Fundraising. ­In Basel heissen sie Oeri oder Sarasin, in Zürich Hummler oder Vontobel. Sie fungieren als Türöffner zu ihren Netzwerken und helfen bei der Suche nach möglichen Geldgebern. Oder sie spenden gleich selbst ein paar Millio­-nen – wie Hans Vontobel, der den Bau der Masoala-­Regenwaldanlage in Zürich grosszügig unterstützt hat.

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Teurer Lebensraum: Investitionen in Millionenhöhe können die Zoos nur dank Zuwendungen finanzieren.

Quelle: Torben Weber/Zoo Basel

Erdmännchen bringen Geld, Heuschrecken nicht

Solche Zuwendungen sind für die Zoos überlebenswichtig, denn die öffentliche Hand übernimmt nur we­nige Prozent des Budgets. Obwohl jährlich je fast zwei Millionen Menschen die Zoos in Basel und Zürich besuchen, können die Einnahmen aus Eintritten und Restaurants die Kosten nicht decken. Bereits für den regulären Betrieb sind die Zoos auf Sponsoren und Gönner angewiesen. Und erst recht für die Millioneninvestitionen in artgerechte Tiergehege. Dass die Elefanten in Zürich neulich in die grosszügige Anlage «Kaeng Krachan» ziehen konnten, verdanken sie den Gönnerinnen und Gönnern, die über 40 Millionen Franken gespendet haben.

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Die Geschäftsleitung des Basler Zolli pflegt den Kontakt mit den Gönnern. Auf der einen Seite gibt es die vermögenden Familien aus dem Basler «Daig», die nach dem protestantischen Motto «Tue Gutes und sprich nicht darüber» den Zoo begünstigen. Publizität ist ihnen we­niger wichtig als die persönliche Genugtuung, das Wohl der Tiere und die Attraktivität des Zoos zu fördern. «Diese Leute sind bescheidene und grosszügige Menschen, oft Erben grosser Vermögen, die ihre Spende beim Besuch des Zoos im Stillen geniessen», sagt Riggenbach. Die Mitarbeiter sind deshalb angehalten, alle Besucher stets freundlich zu behandeln. Es könnte sich ja um anonyme Gönner handeln, die man nicht vergraulen will.

Auf der anderen Seite gibt es die Neureichen, die offenherziger mit ihren Zuwendungen umgehen. Matthias Eckenstein fällt zwischen diese Kategorien, zumal er als Unternehmer reich geworden ist und gleichzeitig mit ­einer Frau aus dem «Daig» verheiratet war.

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Tierpatenschaften sind der Renner

Die Zoos setzen aber nicht nur auf Millionenspenden. Ebenso wichtig sind die kleinen Geldbeträge, die in Basel ab 20 Franken im Geschäftsbericht ausgewiesen werden. Als Renner haben sich Tierpatenschaften erwiesen. Ab 100 Franken ist man mit von der Partie und finanziert mit seinem Beitrag während eines Jahres die Pflege und Betreuung eines Tiers. Je prestigeträchtiger, desto teurer die Patenschaft: 12'000 Franken für einen Elefanten, 100 Fran­ken für einen Einsiedlerkrebs. Am beliebtesten sind in Basel die Erdmännchen; keine Paten gefunden haben ­dagegen die Heuschrecken. Wer sich für den Zoo einsetzen will, findet immer eine Möglichkeit, vielleicht auch als freiwilliger Mitarbeiter im Freundeverein Zoo Basel oder in der Zürcher Tiergarten-Gesellschaft.

Im Wettstreit um die Gunst von Spendern und Sponsoren ist kein Ende abzusehen. Im Gegenteil: Um für die ­Besucher attraktiv zu bleiben, verfolgen die Zoos in Basel und Zürich teure Projekte. Mit der über 40 Millionen Franken teuren Elefantenanlage «Kaeng Krachan» haben die Zürcher vorgelegt. In Basel öffnet im Herbst 2016 die 28 Millionen Franken teure Dickhäuteranlage «Tembea». Das neuste Prestigeprojekt in Basel ist aber das Ozea­nium, das ab 2019 die Besucher ans Rheinknie locken soll. Um die 80 Millionen Franken soll das Vorzeigeprojekt ­kosten. Auf Marc Riggenbach und seine Leute kommt viel Arbeit zu.

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