Die Auswirkungen des Klimawandels auf die alpine Vegetation sind grösser als bisher angenommen. Dies ist das Ergebnis einer grossen europäischen Untersuchung zum Vegetationswandel im Hochgebirge. Die Studie wird von Forschern der Universität Wien und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) geleitet. Die Ergebnisse wurden letzthin im Fachjournal «Nature Climate Change» veröffentlicht.

Die Wissenschaftler aus 13 Ländern untersuchten die alpine Vegetation auf insgesamt 867 Probeflächen auf 60 Gipfeln in allen grösseren Hochgebirgen, unter anderem auch im Wallis. Zwischen 2001 und 2008 fanden sie deutliche Anzeichen, dass kälteangepasste Pflanzen von wärmeliebenden Arten zunehmend aus ihren Lebensräumen verdrängt werden.

«Wir haben eine Zunahme wärmeliebender Pflanzenarten in grösseren Höhen erwartet, aber nicht in diesem deutlichen Ausmass und in so kurzer Zeit», sagt Michael Gottfried von der Universität Wien. «Viele kältetolerante Arten wandern buchstäblich in den Himmel.» In einigen der niedrigeren Gebirge könne man gar beobachten, wie die offene alpine Graslandschaft verschwinde, indem Zwergsträucher den Lebensraum in wenigen Jahrzehnten erobern würden.

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Europaweite Entwicklung

Die Studie ist laut den Forschern die weltweit bislang breitest angelegte Untersuchung ihrer Art. Sie bestätige den direkten Zusammenhang zwischen erhöhten Sommertemperaturen und der Veränderung alpiner Lebensgemeinschaften. «Regionale Untersuchungen haben diesen Vorgang bereits aufgezeigt. Unsere Ergebnisse demonstrieren diese Entwicklung erstmals für den gesamten europäischen Kontinent», so Gottfried.

Die Forscher zeigten auch, dass die Verdrängung der kälteliebenden Pflanzen unabhängig von der Seehöhe ist – der Prozess findet von der Baumgrenze bis zu den höchsten Gipfeln statt. Ebenso spielt die geographische Breite keine Rolle. «Wir müssen uns dringend auf die Vermeidung noch stärkeren Klimawandels konzentrieren, um den Schatz der Natur zu wahren», sagt Georg Grabherr, der Leiter des Projekts.

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