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KlimawandelArtenvielfalt muss bewahrt werden

Etliche Tier- und Pflanzenarten könnten wegen des Klimawandels aussterben – was auch für den Menschen drastische Folgen hätte. Im Vorfeld der Kopenhagener UN-Klimakonferenz sprachen Fachleute deshalb Empfehlungen für die Umweltpolitik aus.

Der Wegfall der Bestäubungsleistung durch Insekten würde die Nahrungsmittelproduktion vor grosse Probleme stellen.
aktualisiert am 16. März 2009

Welche Folgen der Klimawandel für die Umwelt hat, fasste die Internationale Klimakonferenz im dänischen Aarhus zusammen. Als Vorbereitung auf die grosse UN-Klimakonferenz in Kopenhagen im Dezember erörterten Experten vieler Fachgebiete den bisherigen Stand der Erkenntnis und formulierten sieben Empfehlungen für Strategien zur Verminderung des Klimawandels.

Experten des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung richteten in ihren Beiträgen die Aufmerksamkeit auf die Aufrechterhaltung der biologischen Vielfalt. Diese stehe derzeit durch intensive Landnutzung, Invasionen und Verschmutzungen unter starkem Druck. Das würde gemeinsam mit der Klimaerwärmung dazu beitragen, dass heute bereits jede vierte Säugetierart vom Aussterben bedroht ist.

«Viele Tiere und Pflanzen wandern mit der Erwärmung Richtung Norden oder in höhere Regionen, wo dies möglich ist. Das kann ihnen jedoch nur gelingen, wenn sie über Lebensräume für diese Wanderung verfügen», so UFZ-Biologe Josef Settele.

Solche Lebensräume seien Wiesen- oder Waldflächen oder andere Natur- und Schutzräume. Stehen diese nicht ausreichend zur Verfügung, stehe die Existenz vieler Arten auf dem Spiel, was auch für den Menschen langfristig drastische Auswirkungen habe. Denn er könnte in einer veränderten Umwelt auf eine Vielzahl von Arten besonders angewiesen sein, denen heute wenig Bedeutung beigemessen wird, so Settele. «Der Wegfall der Bestäubungsleistung durch Insekten würde etwa die Nahrungsmittelproduktion vor grosse Probleme stellen. Heil- und Nutzpflanzen sind für die medizinische Versorgung sehr wichtig. Auch die technische Entwicklung kommt immer wieder auf die genaue Analyse von Strukturen und Mechanismen aus der Natur zurück», so der Insektenspezialist.

«Gesellschaft in Klimalösungen einbinden»

Die Versammlung der Wissenschaftler empfahl der Kopenhagener UN-Konferenz, alle Teile der Gesellschaft in Klimalösungen einzubinden und zusätzliche Anreize für die Beteiligung der Bürger zu schaffen. Biodiversität brauche einen Fixplatz in den Bemühungen zur Vermeidung des Klimawandels und dessen Anpassung. Die Agrarproduktivität müsse erhöht werden, um den Verbrauch von Wasser und Land zu reduzieren, wie auch spezielle nachhaltige Lösungen für die Anrainerbevölkerung der Arktis erforderlich seien. Die Schaffung einer neuen Kohlenstoffwährung würde Anreize für die Entwicklung neuer Technologien ohne fossile Brennstoffe erhöhen. Eine glorreiche Zukunft prognostizierte man schliesslich der Nanotechnologie: «Sie wird zur nächsten industriellen Revolution führen und technologische Durchbrüche in der Entwicklung nachhaltiger Energielösungen anbieten», so dieKonferenzteilnehmer.

Settele betont die grosse Bedeutung der anstehenden Kopenhagener Klimakonferenz. «Das Kyoto-Protokoll ist ausgelaufen und eine Fortschreibung durch die Staatengemeinschaft ist fällig.» Es brauche vermehrt Anstrengungen, auch wenn durch die Weltwirtschaftskrise finanzielle Ressourcen abhandengekommen seien. Mittlerweile habe man zur Kenntnis genommen, dass eine Klimaänderung unausweichlich ist. «Verminderung und Anpassung stehen heute im Zentrum. Je mehr man die negativen Folgen des Klimawandels abschwächen kann, desto eher ist eine Anpassung möglich», so Settele. (pte/16.03.2009)