Beobachter: Sind Sie jemals zufrieden, wenn es um die Sache der Bauern geht?
Hansjörg Walter: Ja, durchaus.

Beobachter: Jetzt erhalten Bauern erstmals seit 1993 einen höheren Milchpreis. Das ist doch super.
Walter: Ja, das freut uns!

Beobachter: Und was tun Sie? Ihr Verband empört sich per Communiqué, wenn bekannt wird, dass wir wegen der Zölle für die einheimischen Bauern sieben Franken zu viel für ein Kilo Poulet zahlen. Oder generell 25 Prozent zu viel für unsere Lebensmittel.
Walter: Das stimmt zurzeit nicht mehr, es ist weniger, weil die Grundnahrungsmittel im Ausland teurer geworden sind. Wir wollten das nur richtigstellen.

Beobachter: Sie werfen den Kritikern Gejammer vor. Bestreiten Sie denn, dass die Schweizer Landwirtschaft im internationalen Vergleich eine der am höchsten subventionierten ist?
Walter: Nein, wir sind bezüglich der staatlichen Stützung sehr hoch, mit strengen Auflagen.

Beobachter: Wieso gibt es in Österreich viel mehr Biobauern als in der Schweiz?
Walter: Wegen des EU-Beitritts mussten sie sich etwas einfallen lassen. Wir haben aber markant aufgeholt und decken die Nachfrage

Beobachter: Die Österreicher exportieren auch mehr Käse als unsere Bauern. Was machen die besser?
Walter: Österreich ist grösser. Prozentual zur Inlandproduktion exportieren sie nicht mehr Käse als wir.

Beobachter: Ist es taktisch nicht ungeschickt, die Bauern ständig als Opfer darzustellen?
Walter: Tatsache ist: Die Schweizer Bauern verdienen nur halb so viel wie Handwerker in vergleichbaren Regionen. Im Schnitt kommt ein Bauernbetrieb bei 1,3 Stellen auf ein Unternehmenseinkommen von ungefähr 55'000 Franken.

Beobachter: Es gibt in der Schweiz viele Haushalte, die nicht mehr haben.
Walter: Dann müssen sich die eben verändern wie die Bauern auch. Wer einen gewerblichen Beruf gelernt hat, der verdient mehr als ein Bauer.

Beobachter: Dafür haben Bauern andere Privilegien: Sie müssen keinen Chef ertragen, arbeiten in der freien Natur, haben herrliche Spielplätze für ihre Kinder, einen eigenen Gemüsegarten.
Walter: Hund und Katzen müssen Sie auch noch aufzählen. Ehrlich, Befragungen zeigen, Bauernfamilien sind mit ihrer Lebensqualität zufrieden.

Beobachter: Wieso betonen Sie das denn nie?
Walter: Gegenfrage: Wieso soll denn ein Bauer kein rechtes Einkommen haben? Er arbeitet ja auch länger. Aber Sie haben recht: Jeder Bauer, dem es nicht mehr passt, ist frei, einen anderen Beruf auszuüben.

Beobachter: Wenn ich übers Land spaziere, sehe ich überall diese schönen Traktoren. Woher haben denn unsere armen Bauern das Geld dafür?
Walter: Die grossen Traktoren, die Sie sehen, werden oft von mehreren Betrieben genutzt.

Beobachter: Hat nicht jeder Hof seinen eigenen Traktor?
Walter: Das schon. Pflüge, Eggen und Sämaschinen werden aber meist überbetrieblich eingesetzt. Darum brauchts grosse Traktoren.

Beobachter: Wie viele Traktoren haben denn Sie?
Walter: Zwei, einen Jahrgang ’89 und einen 40-jährigen Oldie. Für meinen mittelgrossen 30-Hektaren-Betrieb nichts Verrücktes.

Beobachter: Zum Schluss nochmals: Wieso sollen Konsumenten in der Schweiz mehr für ihre Lebensmittel bezahlen als in den Nachbarländern?
Walter: Weil die Löhne hier generell höher sind: Das zieht sich über die ganze Wertschöpfungskette hin, vom Bauern hin zu den Angestellten in der verarbeitenden Industrie bis zum Verkaufspersonal.